Seite vorlesen

15.06.2015

Die Welt zu Gast am Hafen

Die Welt zu Gast am Hafen
Untereinander vernetzt und verbunden: Stände am Nationenfest. | © zVg

Bei bestem Wetter knüpften Menschen aus aller Herren Länder letzten Samstag am Romanshorner Nationenfest Bande. Und lernten teils sogar sich selbst von einer neuen Seite kennen.

Er sei heikel, was das Essen angehe, erklärt ein gesetzterer Herr dem Betreiber des Stands von Syrien. Sagts, lässt sich schliesslich doch überreden, eine Spezialität zu probieren – und stellt erstaunt fest, dass sie ihm schmeckt. Am Romanshorner Nationenfest lassen sich Vorurteile überwinden – auch solche kulinarischer Art.

Es gibt viele Angebote

Rund 50 Leute haben am frühen Samstagmorgen angepackt beim Aufbau von Bänken, Tischen und Ständen an der Hafenpromenade – sehr zur Freude von Nationenfest-Präsident Manuel Bilgeri. Ab dem Mittag füllt sich das Areal am See bei bestem Wetter immer mehr - erst nach Mitternacht wird der Regen dem Fest ein vorzeitiges Ende bereiten. Am Gemeinschaftsstand von Integro/Solinetz können die Menschen auf Initiative der Romanshorner Integrationsstelle spezielle Bande knüpfen: Aus alten Geschenkbändern wird ein Ball gefertigt. Um 15.30 Uhr sind schon rund 150 Bänder verknüpft worden, wie die Integrationsverantwortliche der Gemeinde, Sibylle Hug, schätzt.

Werte wie "Respekt" oder "Toleranz" sind teils auf die Bänder notiert worden. Der immer grösser werdende Ball symbolisiert die Tatsache, dass die Menschen untereinander vernetzt und verbunden sind. Die Nationenfestler ihrerseits leben dieser Überzeugung mit einer Spende nach, die sie nach einem allfälligen Gewinn jeweils für wohltätige Zwecke spenden – dieses Jahr sollen Medikamente an Kinder in Syrien geliefert werden.

Besucherinnen und Besucher genossen das internationale Zusammensein.

Thailändische Tänzer und Alphornbläser

Nationenfest ist, wenn auf der Bühne beim alten Zollhaus Joe Dassins unsterbliches "Les Champs-Elysées" ertönt und sich auf dem Festareal bereits prächtig geschmückte Tänzerinnen aus Thailand auf ihren Auftritt vorbereiten. Regelmässig Auftritte am Nationenfest absolviert auch das Alphorntrio Egnach. Toni Hengartner schätzt die verschiedenen musikalischen Stilrichtungen und die prächtigen Kostüme, die am Nationenfest zu erleben sind.

Wie geht er insbesondere an einem multikulturellen Fest wie jenem in Romanshorn mit dem Vorurteil um, Alphornbläser symbolisierten eine rückwärtsgewandte, allem Fremden gegenüber skeptische Schweiz? "Das ist für mich kein Problem. Wir vertreten die Schweizer Tradition, andere Gruppen jene ihrer Länder", sagt er. Hengartner schätzt es, dass es am Nationenfest nicht wie an anderen Grossanlässen zu Pöbeleien komme – auch dieses Mal werden Vorfälle der unerfreulichen Art kein Thema sein.

Käse, Lammcurry, Apfelstrudel

Was wäre das Romanshorner Nationenfest nebst den farbenfrohen Bühnenpräsentationen, an deren Ende ein mitreissender Beitrag Brasiliens steht, ohne die vielfältigen Speisen und Getränke? Wer nach einem cremigen Käse aus Bosnien Lust auf ein Lammcurry mit Reis aus Thailand hat und als Dessert einen Apfelstrudel mit Vanillesauce aus Österreich möchte, kommt am Nationenfest voll auf seine Kosten.

Der angeblich beim Essen so heikle Besucher übrigens steht mittlerweile am Stand von Brasilien und kauft sich Salgadinhos – mit Poulet gefüllte Teigtaschen. Und mittlerweile überrascht es ihn fast gar nicht mehr, dass auch sie ihm hervorragend schmecken.

www.nationenfest.ch

Kommentare werden geladen...

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Bühne

Werbung

Literaturwettbewerb «Das zweite Buch» 2026

Die Marianne und Curt Dienemann Stiftung Luzern schreibt zum achten Mal den Dienemann-Literaturpreis für deutschsprachige Autorinnen und Autoren in der Schweiz aus. Eingabefrist: 15. Juni 2026