von Rolf Müller, 13.08.2014
Gemeinsam auf den Weg

Die Galerie Bleisch in Arbon feiert am 16. August das 20-jährige Bestehen. Warum Inhaber Adrian Bleisch auch künftig nicht auf Mainstream setzt und wie er die Zukunft sieht, sagt er im Interview.
Rolf Müller
1994 eröffnete die Galerie Adrian Bleisch an der Schmiedgasse 5 in Arbon mit einer ersten Ausstellung des Künstlers Conrad Steiner, Berg TG. Seither folgten regelmässige Ausstellungen mit Kunstschaffenden aus der Ostschweiz und der Innerschweiz. Zusammen mit der neuen von Conrad Steiner - es ist seine siebte in der Galerie -, die am Samstag eröffnet wird, fanden 81 Ausstellungen statt.
Adrian Bleisch (47) hängte 2012 den Beruf als Primarlehrer ganz an den Nagel und führt die unterdessen an die Schlossgasse 4 in Arbon gezügelte Galerie hauptberuflich. Seither ist er auch noch Wirt.
Herr Bleisch, wieso führen Sie seit 20 Jahren eine Galerie?
Aus Leidenschaft und Interesse am Kunstschaffen und an Kunstschaffenden. Der Thurgau ist ja nicht reich an Galerien, die ernsthaft und professionell betrieben werden. Meine Galerie verstehe ich als KMU, das neben Ausstellungen für Künstler aus der Ost- und Innerschweiz auch Kulturvermittlung betreibt. Das möchte ich künftig noch ausbauen, beispielsweise mit Veranstaltungen wie Autorenlesungen.
Sie führen die Galerie hauptberuflich. Das Einkommen als Primarlehrer war zweifellos beständiger.
Allerdings. Aber ich musste mich vor drei Jahren entscheiden, als ich für die Nutzung der 950 Quadratmeter mit Galerie und Bistro in ehemaligen Räumlichkeiten der Firma Saurer an der Schlossgasse 4 angefragt wurde. Das bleibt insofern natürlich ein Risiko, weil ich von Mainstream-Kunst nicht viel halte, sondern gerne auch sperrige Werke ausstelle und verkaufe, die nicht jedermanns Geschmack sind. Ich habe mich entschieden und bereue es nicht.
Welches Spektrum an Kunst stellen Sie aus?
Alle Arten von bildender Kunst: Malerei, Zeichnungen, Bildhauerei, aber auch Fotografien, Videokunst oder Installationen. Die grosszügigen Räume sind sowohl geeignet für thematische Gruppenaustellungen wie auch für umfangreiche Einzelausstellungen.
81 Ausstellungen in 20 Jahren – was bleibt davon?
Ich bin daran interessiert, mit Künstlern, deren Werke mich überzeugen, gemeinsam auf einen Weg zu gehen, sie über längere Zeit zu begleiten, jetzt und in Zukunft. Meistens ergibt das regelmässige Kontakte, die bereichernd sind. Für das Jubiläum der Galerie stellen Wegbegleiter aus den letzten 20 Jahren je ein kleinformatiges Werk aus ihrem aktuellen Schaffen aus. Das freut mich sehr.
Welche Thurgauer Künstlerinnen und Künstler waren schon zu Gast?
Eine ganze Menge. Etwa Markus Dulk, Fredi Bissegger, Daniel Gallmann, Max Bottini, Peter Stäheli, Charles Boetschi, Ute Klein, Max Ammann, Rahel Müller, Jürg Schoop, Ernst Thoma und Valentin Magaro.
Und wieso sollte man im Bistro der Galerie einkehren?
Weil wir ein richtig klassisches Angebot haben: Hausgemachte, täglich frisch gekochte Suppen und Salate, Kaffee und Kuchen – und ein inspirierendes Umfeld mit interessanten Menschen.

"Ping Pong": Conrad Steiner stellt in der Galerie Adrian Bleisch aus.
Vernissage "Ping Pong" am 16. August 2014
In früheren Jahren schuf Conrad Steiner neben abstrakten Bildern auch (von Hand) bearbeitete Polaroids, die das Motiv in ein 'träumendes Geheimnis' versetzten. In seinen aktuellen Arbeiten in der Galerie Adrian Bleisch fokussiert Maler nun eine zugespitzte 'Malerei ohne Malerei': Farbklänge wachsen aus monochromen Folien, die zugleich Abbildungen aus Museumskatalogen sowie privaten Fotografien enthalten, und werden collageartig zerschnitten und zu neuen Bildern zusammengesetzt.
Dem Hin und Her (Verweis auf den Ausstellungstitel Ping Pong) zwischen analogen und digitalen Verfahren entspricht die Gegenüberstellung kontrastierender fotografischer Motive: isolierte Gegenstände – museale Gefässe mit barocken Formen – werden überlagert von Alltagsfotografie. Die Reizüberflutung durch Digitalfotografie ist dabei nur scheinbar das pure Gegenteil von hochgradig stilisiertem Kunsthandwerk. In Details zerlegt und auf eine einzige Bildebene gebracht erscheint das Kontrollierte und Stilisierte, vom Zufälligen belebt, vertraut; der Henkel eines Kruges in Drachengestalt trifft plötzlich auf den Delphin aus Plastik. Umgekehrt zersplittert das Alltägliche in einzelne und fremd anmutende Realitätsbezüge, die wieder hinter starkfarbigen Formen verschwinden.
Conrad Steiner präsentiert keine durchkomponierten Bilder, das Bildermachen wird selbst zur Handlung, zum Erkundungsfeld assoziativer, malerisch-plastischer Seherfahrungen mit offener Bedeutung. Was bleibt sind Vernetzungen: nur wer die einzeln aufzählbaren Schläge während dem Pingpongspiel vergessen kann, vermag den Ball im Spiel zu halten. (pd)
***
Termine
Vernissage: 16. August 2014, 16 bis 19 Uhr
29. August 2014, Nachtessen mit Conrad Steiner (Anmeldung erforderlich)
7. September 2014, 11 Uhr Begegnung mit Conrad Steiner
20. September 2014, 14 – 16 Uhr Finissage
Weiterführende Links
Mit entspannter Neugier - Thurgauer Zeitung vom 2.9.2014
Adrian Bleisch auf Reisen - thurgaukultur.ch vom 13.6.2012
Galerie Adrian Bleisch: ein Versprechen! - thurgaukultur.ch vom 1.9.2012
Website Conrad Steiner

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