von Zora Debrunner, 05.11.2011
Gustav...

... aus Fribourg sang im Gasthaus zum Trauben in Weinfelden. Und zwar nicht als „Chorleiter der Nation“, sondern auch von der sinnlichsten Frucht überhaupt.
Zora Debrunner
Den Gustav mochte ich schon, bevor er im Schweizer Fernsehen zum Gewinner von „Kampf der Chöre“ berufen wurde. Jetzt teile ich diese Vorliebe für den smarten Fribourger mit sehr vielen anderen, so auch diesen Freitagabend im Saal der "Traube" in Weinfelden.
Der altehrwürdige Saal leuchtet in sanften Pinktönen, man fühlt sich eher in einer Retro-Disco, denn in einem Konzertraum. Die Gäste sind gut gelaunt, was auch an den netten Damen hinter der Bar liegen mag. Überhaupt, der ganze Abend ist begleitet von der organisatorischen Unkompliziertheit der Wirtsleute. Man fühlt sich wohl und willkommen.
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Als Gustav auf die Bühne kommt, freuen sich alle. Doch selbstironisch wie er ist, macht er zuerst mal Schluss mit den falschen Erwartungen und lüftet sein wahres Ich. Er ist nicht der Chorleiter der Nation! Im Gegenteil. Er ist sarkastisch, verbal treffsicher und auf keinen Fall der nette Traumschwiegersohn von nebenan. Zumindest fanden das ein paar ältere Damen auf den Stühlen vor mir. Die sind dann auch in der Pause verschwunden.
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Natürlich spielt er mit dem Publikum, lässt es singen, trällern, holt Gäste auf die Bühne, die mit ihm musizieren. Die Stimmung steigt mit dem Konsum von Apfelsaft, Blauburgunder und Appenzeller Bier.
Die Thurgauer, ein paar wenige Romands sind auch noch im Publikum, singen die Refrains der bekanntesten Lieder mit. Da tanzen sie, mehrheitlich die Frauen, während sich die Männer an ihren Spezliflaschen festhalten. Ein erster Höhepunkt ist „Häpporischnitte“. Klar. Thurgau ist eben nicht nur die Heimat der Äpfel, sondern auch der sinnlichsten Frucht überhaupt, der Erdbeere. Aber das weiss Gustav nicht.
Der provoziert brav weiter und spricht über Äpfel, Most und Spätzli. Als er schliesslich eine kurze Unterrichtssequenz in Sachen unanständiges Französisch („Casse-toi!!“- Verpiss dich!!!) einlegt, singen alle mit. Lediglich die Bestuhlung in der Mitte des Raumes verhindert, dass das Publikum auf volle Touren kommt.
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Als er „Lundi matin“ anstimmt, singen die meisten mit. Klar, den Text kennen wir alle vom Radio. Gustav spricht ihn aber nochmals vor und legt grossen Wert auf das „Non!“ im Refrain. Er fordert die Thurgauer auf, etwas mehr Widerstand zu bieten, mehr „Nein!“ zu sagen. Das tun sie dann auch.
Als er schliesslich sein „Bout du Monde“ anstimmt, habe ich den Eindruck, nicht mehr im Thurgau, sondern in einer gemütlichen Beiz im Saanenland zu stehen. Alles um mich herum singt aus vollstem Hals mit. Das Publikum geht total ab.
Was bleibt, ist ein Abend mit einem wahren Entertainer, der durch seine musikalische Vielfältigkeit und seinen Witz besticht. Dass er auch als Elvis oder Howard Carpendale durchgehen könnte, ist zweitrangig. Und: So verschieden sind die Friburger und die Thurgauer gar nicht!

Von Zora Debrunner
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