von Barbara Fatzer, 18.03.2010
Immer auf der Suche nach gültigen Werten - Leben und Werk von Werner Haselmeier (1941-2006)

Heute weiss man vom Künstler Werner Haselmeier (1941–2006) kaum mehr etwas, niemand aus der Kunstszene Thurgau hat sich für die Aufarbeitung seines Werks eingesetzt. Einen bescheidenen Ausschnitt daraus zeigt jetzt eine Ausstellung in Kreuzlingen.
Barbara Fatzer
Bereits im Lehrerseminar Kreuzlingen (1957–1962) war Werner Haselmeier aufgefallen mit seiner Begabung und seinem Einfallsreichtum, so dass der Konviktführer und spätere Kulturförderer Ernst Mühlemann ihm dort sogar ein Atelier verschaffte. Er war es dann auch, der 1984 die Vernissagerede hielt im Greuterhof, als Werner Haselmeier seine erste grosse Einzelausstellung machte. Es war gleichzeitig der Auftakt für ihn, nach Lehr- und Wanderjahren, wieder im Oberthurgau sesshaft zu werden. Dabei traf sich die damalige Kunstszene im Greuterhof, zu der inzwischen einige seiner ehemaligen Seminarkollegen gehörten. Man war neugierig darauf, was aus dem Talent geworden war. Nur drei Jahre später hatte Haselmeier einen ähnlichen aufsehenerregenden Auftritt am Seminar selber, als einige seiner Kollegen für ihn dort auch eine Ausstellung organisierten.
Rückzug ins Private
Ein Jahr später kam sein Sohn Till zur Welt. Die Verantwortung für dieses Kind und die damit verbundene finanzielle Verpflichtung liessen bei ihm Existenzängste aufkommen, die Beziehung mit Tills Mutter zerbrach darum einige Jahre später. Das alles wirkte sich negativ in seinem Schaffen aus und schränkte ihn ein. Später erhielt er zwar wieder Lehraufträge an Ausbildungsstätten, so dass sein einfacher Lebensunterhalt gesichert war und ihm mehr Freiheit gab für die künstlerische Hingabe. Aber aus der Öffentlichkeit zog er sich weitgehend zurück, er lud vor allem in sein Atelier in Sommeri ein für sehr eigenwillig gestaltete Ausstellungen.
Generalist und Lebenskünstler
Nun hat sein Sohn Till Schacher für die Abschlussarbeit an der Pädagogischen Maturitätsschule dieses nicht ganz einfache Thema gewählt, einen Einblick in Leben und Gesamtwerk von Werner Haselmeier zu geben. Für ihn sei es sowohl Hommage an einen «Generalist und Lebenskünstler» als auch die Aufarbeitung einer Sohn-Vater-Beziehung, die eine ganz spezielle gewesen sei. Wenige Tafelbilder sind aus den verschiedenen Stil-Phasen in der Musikschule zu sehen. Sorgfältig hat er ausgewählt und gehängt, um wenigstens eine Ahnung von der Vielseitigkeit der Künstlerpersönlichkeit wie auch der Qualität dieser zumeist grossformatigen Bilder zu geben.
Das ganze Vorhaben wurde erschwert, da Werner Haselmeier zeit seines Lebens wenig Interesse hatte, seine Bilder zu katalogisieren, signieren oder zu datieren. Es gibt auch keine umfassende Dokumentation seines Schaffens, das zudem Zeichnungen, Grafik, Dreidimensionales und Performatives umfasst. Trotz seiner manchmal schwierigen Lebensumstände und entsprechender Einbrüche hat Haselmeier fortwährend und mit einer solchen Intensität gearbeitet, dass der Nachlass gegen 300 unterschiedliche Werke umfasst.
Auch wenn jetzt Till Schacher durch die Auseinandersetzung mit seinem Künstler-Vater einen Anfang gemacht hat, dass man Werner Haselmeier wieder zur Kenntnis nehmen kann, so harrt da noch eine riesige Aufgabe für die Nachlassverwalter. Vielleicht kann die jetzige Ausstellung soweit sensibilisieren wie auch dazu motivieren, dass das zurückgelassen Lebenswerk nicht einfach verschwindet.

