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02.06.2016

Kunstmuseum im Rausch

Kunstmuseum im Rausch
Pipilotti Rist: Mercy Garden, from the Mercy Work Family, 2014 Installation view, Hauser & Wirth, 'Stay Stamina Stay', Somerset, England (2014) | © Ken Adlard Courtesy the artist and Hauser & Wirth

Glücksrausch, Wahrnehmungserweiterung, Betäubung - der Rausch hat viele widersprüchliche Gesichter. Doch was die verschiedenen Rauscherfahrungen eint, ist ihre Tendenz zur Entrückung und Loslösung vom Ich und der Realität. So gehören die Mythen von gesteigerter Kreativität durch Rauschzustände zum Repertoire der Kunstgeschichte. Doch welche Rolle spielt der Rausch für die Gegenwartskunst? Die Ausstellung entführt in psychedelische Farbkosmen und künstlerische Versuchslabore. Sie lädt ein in sinnliche Welten zwischen Höhenflug und Absturz, in eine internationale Gruppenausstellung unter anderem mit Werken von Pipilotti Rist und Carsten Höller.

Der Rausch hat heute viele Gesichter, doch was all die verschiedenen Rauscherfahrungen eint, ist ihre Tendenz zum Ozeanischen, zur Entrückung und Loslösung vom Ich und der Realität. So galten und gelten auch in vielen Religionen Rauschzustände als Wege, um mit höheren Instanzen in Kontakt zu treten. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Konsum bestimmter Substanzen oder auch der gezielte Verzicht sowie die Aktivierung körpereigener Stoffe wie beispielsweise Dopamin oder Endorphine.

Vom Verzicht bis zum Weinbau

Die Kartäusermönche wählten den Verzicht. Der Einsiedler- und Schweigeorden suchte durch meditative Versenkung in der Einsamkeit die spirituelle Ekstase, die auch als rauschhafter Zustand beschrieben wird. Für den konventionellen, weltlichen Rausch sorgte im Thurgau der Weinbau. Er brachte den Wohlstand, mit dem die bescheidene Klosterkirche zu einem schwindelerregend farb- und formenreichen Gesamtkunstwerk verwandelt wurde. Aus heutiger Sicht lässt sich anhand dieses Bild gewordenen Rauschzustands eine Linie von der Spiritualität über den Rausch zur Kunst ziehen.

Pipilotti Rists „Mercy Garden“ und Carsten Höllers Pilze

Auf ihren Spuren bewegt sich die Ausstellung über zeitgenössische Kunst "im Rausch“. Film, Fotografie und Rauminstallationen, Malerei und Grafik entführen in künstlerische Versuchslabore, durch psychedelische Farbkosmen und zu spirituellen Visionen. Pipilotti Rists erstmals in der Schweiz präsentierte Wunderwelt „Mercy Garden“ lässt uns eintauchen in einen ozeanischen Sog magisch-verspiegelter Aufnahmen von Pflanzen, Körpern und anderen Wunderwelten. Eigens für die Ausstellung entwarf Carsten Höller eine seiner riesigen Pilzskulpturen, die Modelle halluzinogener Gewächse zu fantastisch-surrealen Objekten verschmelzen.


***


Werke von u.a.:
Ueli Alder, Donato Amstutz, Heiko Blankenstein, Felix Brenner, Helen Dahm, Co Gründler, Carsten Höller, Susanne Hofer, Kühne/Klein, Rachel Lumsden, Aurelia Mihai, Meret Oppenheim, Ursula Palla, Oliver Pietsch, Pipilotti Rist, Sarah Schönfeld, Kerim Seiler, Annelies Štrba, Andreas Walser, Artur Żmijewski (mit Paweł Althamer)

Publikation
Zur Ausstellung entsteht ein deutsch-englischer Katalog im Verlag für moderne Kunst mit Texten von Markus Landert, Stefanie Hoch und Rebekka Ray.

Termine
Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen
Ausstellungsdauer: 5. Juni bis 16. Dezember 2016
Vernissage: Sonntag, 5. Juni 2016, 11.30 Uhr
Di, 8. November, 18 Uhr, Feierabend im Museum: Im Rausch der Bilder: Künstlergespräche mit Ueli Alder, Ursula Palla und Annelies Štrba

www.kunstmuseum.ch

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