von Mia Nägeli, 07.09.2015
In die Altstadt gelockt

Sauberes Spiel mit den Saiten, viel aus der Region und Deutschpop nach österreichischem Vorbild – das «Musig i dä Stadt» belebt die Frauenfelder Altstadt. Wenn auch nicht in der Begegnungszone.
Die Frauenfelder Altstadtstrassen sind ein schwieriges Pflaster. Die Belebung der Begegnungszone geht nur langsam voran. Und so richtig daran glauben wollen viele auch nicht – allen voran die Ladenbesitzer an der Zürcherstrasse. Umso hübscher, dass das «Musig i dä Stadt» ein wenig Leben zwischen Rathaus und Regierungsgebäude lockt.

Selfie mit den Besuchern - The Rising Lights auf Facebook.
Der Auftakt am Freitag: The Rising Lights – eine junge Pop-/Rock-Band aus der Gegend mit Flair für Feinschliff und dem einen oder anderen starken Bandcontest-Resultat. Die Songs sitzen in etwa so gut wie die Frisuren des Trios, die Musik passt perfekt ins Radio, die Instrumente klingen sauber. Beeindruckend professionell fürs Alter. Ein passender Start mit Show – zumindest für beinahe alle restlichen Bands.
Aus dem Rahmen springen Old Gipsy Man's Hat. Zugegeben: Die Frisuren sitzen hier auch sauber – die Musik hingegen ist's nicht. Sie will es aber auch kaum sein.

Old Gipsy Man's Hat – die Punks am Freitag (Bilder: David Nägeli)
Die Weinfelder spielen eine Kombi aus Funk und Punk, nicht unähnlich den frühen Red Hot Chili Peppers. Nur dass sich da noch ein Synthesizer auf die Bühne geschlichen hat. Aber der wird dafür stilecht am Gitarrengurt getragen, nur damit man auch an den Keys gut abgehen kann. Dazu gibt's Lyrics zwischen linksrevolutionär und dem Herumlabern an Partys und wildes Geschrummel in den Gitarrensoli.
Muse als Muse
Nach dem Punk-Einschub geht's zurück zum Pop. Mit Neckless gibt's nach den Rising Lights gleich nochmals Contest-Erfahrene. Die Winterthurer haben mit pompösem (Pop-)Rock à la Muse letztes Jahr den «MyCokemusik Soundcheck» gewonnen.

Neckless – irgendwo zwischen Muse und Queen.
Durchaus zurecht: Jahrelanger Banderfahrung zu Dank spielen sie äusserst präzise. Und zum grossen Stimmumfang des Sängers gesellt sich ein breites Repertoire im Genre. Zwischen Radiofreundlichkeit findet sich auch mal ein schnelles Stück mit fiesen Akkorden, die auch zu Old Gipsy Man's Hat hätten passen können.
Wiler Reggae fürs Tanzbein
Zum Abschluss am Freitag – schliesslich ist's die Innenstadt und zu viel Leben nachts soll doch nicht sein – spielten die Drops. Die Reggae-Band aus Wil ist seit über zehn Jahren unterwegs. (Und hat übrigens auch Mal einen Newcomercontest gewonnen. Das scheint beinahe Pflicht zu sein. Aber es gibt auch wirklich viele Bandcontests.)

Die Drops schlossen den Freitag Abend mit tanzbarem Reggae.
Auch hier: Sauber gespielt. Und auch hier war das zu erwarten – diverse Musiker der Drops bestreiten ihre Zeit auch ansonsten mit Musik. Sei's als Booker oder mit verschiedenen Bands. Musikalisch gibt's Feel-Good-Reggae mit starken Soli und ein klein wenig Showband-Style. Doch das passt grossartig ins restliche Line-Up in der Altstadt.
Schön, sauber, stilvoll
Am Samstag wurde es nach der Eröffnung durch das Kinderkonzert von Marius & die Jagdkapelle und der Pop-Band Floriano & His Zilverband deutsch mit deutlichen Vorbildern. The Ashtrays aus Hüttwilen spielen Mundart-Rock à la Baby Jail, Panda Lux aus Rorschach spielen Deutsch-Pop à la Bilderbuch.
Wobei die Wiener Pop-Band als Muse beinahe etwas nahe geraten ist: Zumindest legt das die eine oder andere beinahe gleiche Textzeile nahe. Dennoch, die Band spielt stark, die Songarrangements sind clever mit elektronischen Sounds ergänzt.
Rund 900 Gäste zählten die Veranstalter übers Wochenende. Kein schlechtes Resultat, für das noch junge Festival in der Altstadt. Das mag auch daran liegen, dass die Bands allesamt durchaus gefällig sind: Mit sehr sauberer Produktion, differenzierten Sounds und viel Flair für Radiomelodien. So lockt man Leute in die Altstadt.
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