von Martina Eggenberger Lenz, 24.10.2012
Salenstein ist, wo Kultur das Dorf zusammenführt

Kreuzlingen hat eine, Weinfelden ebenso, Amriswil auch. Und Salenstein. Im kleinen Dorf am Untersee ist neu eine Kulturkommission am Werk. Ende Oktober gibt‘s Kulturtage.
Martina Eggenberger Lenz
Turnverein, Männerchor, Frauenverein - sie alle beleben die Dorfgemeinschaft in Salenstein seit eh und je. An den traditionellen Vereinsveranstaltungen kommt man zusammen. „Das wird allgemein geschätzt“, sagt Gemeindeammann Roland Streit anerkennend. Doch er ist auch der Meinung, dass es “äs bitzeli meh” sein darf. Darum hat er vor gut einem Jahr als eine seiner ersten Amtshandlungen überhaupt eine Kulturkommission ins Leben gerufen.
Kultur der offenen Türen
Die Idee hat er nicht im stillen Kämmerlein ausgebrütet. Sie wurde aus der Bevölkerung an ihn heran getragen. Streit hatte schon im Wahlkampf betont, dass er eine Kultur der offenen Türen im Gemeindehaus pflegen wolle. Die Türen wurden also aufgestossen und der Ruf nach mehr Kultur laut - zumal mit der neuen Mehrzweckhalle Raum zur Verfügung steht. Der Gemeindeammann startete einen Aufruf im Gemeindeblatt, Interessierte konnten sich melden. Und mehr als zwanzig Personen kamen zum Brainstorming zusammen.
Viel künstlerisches Potenzial
Aus der ersten Sitzung resultierte eine sechsköpfige Kern-Kommission, die von Gemeinderätin Ewa Zwick-Lopatto präsidiert wird. Die Kommission kann je nach Bedarf zusätzlich auf verschiedene mögliche Projektleiter und einen erweiterten Personenpool zurückgreifen. Das sind ziemlich viele Ressourcen für eine Gemeinde mit 1250 Einwohnern. Wie ist das möglich? “Gute Frage. Wir haben schon länger festgestellt, dass viel künsterlisches Potenzial vorhanden ist. Ich glaube nicht, dass wir hier rein von der Anzahl her mehr Kunstschaffende haben als anderswo. Aber wir sind vielleicht offener. Viele wollen einen kulturellen Mehrwert für die Gemeinde”, sagt die Gemeinderätin.
Anschubfinanzierung 20‘000 Franken
Die Gemeindeversammlung genehmigte letzten Winter eine Anschubfinanzierung von 20‘000 Franken für die Kulturkommission. Dieser Betrag sei nicht als jährlich wiederkehrende Ausgabe gedacht, sondern als Startgeld, betont Ewa Zwick-Lopatto. Die Kulturkommission will versuchen, Veranstaltungen, die sie organisiert, kostenneutral durchzuführen. Beim ersten Anlass, dem Gastspiel des Theaters Ariane, ist dies gelungen. Die Kosten wurden mit Eintritten, Festwirtschaft und Sponsorengeldern wieder erwirtschaftet. Die Kulturkommission will jährlich einige wenige Veranstaltungen auf die Beine stellen. “Mit zwei, drei gut funktionierenden Events sind wir zufrieden.”
Kultur als Integrationskraft
Beide Lokalpolitiker betonen, dass man die Anlässe der Vereine auf keinen Fall konkurrenzieren wolle. Das Angebot der Kulturkommission sei als Ergänzung gedacht. Die Kommission verstehe sich als Drehscheibe. Der Gemeindeammann glaubt an die Integrationskraft von Kultur. “Wir haben in Salenstein viele Zuzüger, vor allem aus Deutschland oder auch Österreich. Und die kommen nicht aus einem dörflich-ländlichen Umfeld. Sie sind sich ein breiteres kulturelles Angebot gewohnt.” Die Zuzüger seien auch nicht alle Vereinsmenschen, es sei daher nicht einfach, sie einzubinden. “Vielleicht schaffen wir es über die Kultur.”
Kulturtage Ende Oktober
Der nächste Anlass der Kulturkommission, den schon alle gespannt erwarten, ist bereits in Reichweite: die Salensteiner Kulturtage finden am 27. und 28. Oktober statt. Mehr als 25 Kunstschaffende aus Salenstein und Ermatingen nehmen teil. Dabei sind zum Beispiel Dagmar Egloff und Martha Stadlmair. Die beiden Frauen sind begeistert, dass die Gemeinde so viel für die Kulturförderung tut. “Es ist schon richtig: Wenn man etwas bewegen will, muss man mit der grossen Kelle anrühren”, sagt Dagmar Egloff, Malerin. Und Martha Stadlmair freut sich, dass die Kulturschaffenden die Gelegenheit erhalten, sich zu vernetzen. Viele würden ihr eigenes Süppchen kochen, gerade die Zugezogenen. Sie hätten ihr spezifisches Klientel, würden sich aber gegenseitig nicht kennen. Das sei schade, so die Autorin. Die Präsidentin der Kulturkommission stimmt dem zu. “Es geht uns darum, Begegnungen zu ermöglichen”, sagt sie. Die Vorfreude ist gross. “Ich spüre die Begeisterung”, so Ewa Zwick-Lopatto.
Wer alles mitmacht
Die Salensteiner Kulturtage, das sind zwei Tage Kultur non-stop. In der Ausstellung sind Bilder, Fotografien, Skulpturen und Lichtinstallationen zu sehen. Gut acht Autoren lesen aus ihren Texten. Es gibt ein Kinderprogramm und Auftritte von einheimischen Sängern. Auch eine Podiumsdiskussion ist geplant. Am Samstag beginnt das Programm in der Mehrzweckhalle um 14 Uhr, am Sonntag um 11 Uhr, jeweils open end. Dabei sind: Dagmar Egloff, Markus Fehr, Urs und Lene Knoblauch, Ruth Maria Kubitschek, Christian Lippuner, Michael Prax, Klaus Rothe, Walter Widmer, Beatrice Meier, Sven Berger, Anna Erdin, Ursula Berke, Henning Hülsmeier, Jasmin Ilg, Dierk Maas, Peter Pfister, Chris Sigrist, Werner Stalder, Jens und Margrit Komeda, Heidi Niederhäuser, Christa Gross, Gudrun Broziat, Heinz Berke, Martha Stadlmair, Andreas Lindegger Bildhauer und Gesang Reto Knöpfel, Alexa Vogel und Andrea Viaricci.

