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von Andrin Uetz, 28.03.2023

Tagträume aus Kreidegrund

Tagträume aus Kreidegrund
Klötzchen in einem Kinderzimmer? Oder ist das was ganz anderes? Szene der Ausstellung von Laura Mietrup in der Kunsthalle Arbon. | © Peter Baracchi

Inspirierendes Erlebnis: Mit „Blurred” findet in der Kunsthalle Arbon die erste Ostschweizer Soloausstellung der Basler Künstlerin Laura Mietrup statt. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Eine Figur liegt aufgebahrt in der Mitte des Industriebaus. Sie besteht aus drei Komponenten – Kopf, Torso und Bein – die genauso wie alle anderen Objekte im Raum an Bauklötze in einem Kinderzimmer erinnern.

Mit Kreidegrund geweisselte Klötzchen und Elemente finden sich überall in der Halle verteilt. An einer Wand zeigt ein abstraktes Fenster eine häusliche Bühnensituation an, andernorts stehen ebenso weisse Blasinstrumente. Was wird hier gespielt? Was hat das alles zu bedeuten?

 

Die Lebendigkeit des Industriebaus wird dabei durch das klare Weiss der Figuren von Laura Mietrup intensiviert. Foto: Peter Baracchi.

 

Gut besuchte Eröffnung

Dass die Kunsthalle längst kein Geheimtipp mehr ist, zeigte sich bei der gut besuchten Vernissage am Samstagabend. Nach einem kurzen Grusswort von Hannes Brunner – ihm ist derzeit eine Werkschau im Kunstmuseum Thurgau gewidmet – führt Patrizia Keller die Besuchenden in die formverspielte Welt der Künstlerin ein.

Sie schwärmt von der feinsinnigen Arbeit mit Kreidegrund, einem Handwerk, dass Mietrup in ihrer Lehre als Rahmenvergolderin gelernt hat, und nun als Künstlerin in den Vordergrund stellt. Durch diese einheitliche, weisse Oberfläche gelingt es ihr verschiedenste Formen und Objekte aus unterschiedlichen Materialien in einen Dialog treten zu lassen.

 

Modell aus Laura Mietrups Ausstellung „Blurred” in der Kunsthalle Arbon. Bild: Peter Baracchi

Freiräume, die Freiräume bleiben dürfen

Die Kunsthalle Arbon ist sowohl durch die Grösse wie auch durch von Arbeit und Zeit gezeichneten Industrieräume nicht leicht zu bespielen. Laura Mietrup gelingt es mit Hilfe von zwei Gitterwänden und der zentral liegenden Figur den Raum gerade soweit zu strukturieren, dass eine gewisse „Heimeligkeit” entsteht, die Räume aber nichts von ihrer ungestümen Charakteristik einbüssen.

Mithilfe einer von Robin Michel (*1988) und Christian Moser (*1980) gestalteten Tonspur, welche von diversen Lautsprechern von der Decke herab den Raum beschallt, wird ein traumartiger Zustand hervor gerufen, der auch etwas an die Ästhetik eines Videogames erinnert. Vorsichtig und neugierig schreiten Besuchende durch die Räume, um an Boden und Wänden teils filigrane teils grössere Objekte und Figuren zu entdecken.

Semantische Mehrdeutigkeit und klare Formensprache

Die installativen Klänge vermischen sich mit der Akustik des alten Stahlgebälks, des prasselnden Regen auf dem Dach aus Blech und Glas. Fast wähnt man sich wie im Game „Stray” die Perspektive einer Katze einzunehmen. Doch das ist nur eine von vielen möglichen Assoziationen.

Sowohl auf der Bild wie auf der Klangebene bleibt „Blurred” bewusst vage und offen, und wird doch durch die durchgehend weiss-grundierten Objekte zusammengehalten. Die Spannung zwischen semantischer Uneindeutigkeit und klarer Formensprache, sowie die taktvolle Bespielung des Raumes mit Ambient-Geräuschen und Klängen, machen den Besuch der Kunsthalle zu einem inspirierenden Erlebnis.

 

Laura Mietrup „Blurred“, 2023, Ausstellungsansicht Kunsthalle Arbon. Bild: Peter Baracchi

 

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