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14.04.2011

Turmhof Steckborn: Der Brief

Turmhof Steckborn: Der Brief
Turmhof-Kulturzentrum: Modell Ersatz Seewasserwerk mit Bistro und Gemeinschaftsraum. | © ho

Der Stiftungsrat hat auf die Eingabe der Projektgegner mit einem Brief reagiert. Im Gegenzug seien Spenden von mehreren tausend Franken eingegangen, betont er.

Die Gegner des Umbaus des Turmhof-Areals zu einem regionalen Kulturzentrum kritisieren vorallem den Abbruch des aus dem Jahr 1944 stammenden Seewasserwerks und die Verkleinerung der Nutzfläche für das Heimatmuseum im alten Turmhof. Zudem sagen sie, zu wenig informiert worden zu sein.

Dazu halten nun die Stiftungs-Co-Präsidenten Alfred Muggli und Urs W. Seiler in einem Brief zuhanden von Ernst Füllemann fest, dass unter anderm in der letzten Februarwoche dieses Jahres an sämtliche Haushalte in Steckborn ein Informationsblatt verschickt und darin die baulichen und betrieblichen Absichten nochmals erläutert worden seien. Aussserdem seien mit allen direkten Anstössern mehrere und lange Gespräche geführt worden, um die gegenseitigen Interessen aufeinander abzustimmen. Das gelte namentlich für die direkten Anstösser und das Museum der Heimatvereinigung.

Keine weitere Veranstaltung

„Wir dürfen festhalten“, so das Fazit, „dass wir umfassend, mehrfach und der Bedeutung des Projekts angemessen über unsere Pläne informiert und vielfältige Möglichkeiten geboten haben, uns kritische Fragen zu stellen und Einwände vorzubringen. Soweit solche geäussert worden sind, haben wir sie konstruktiv aufgenommen und uns um einvernehmliche Lösungen bemüht. Die Kunst allerdings, es allen recht zu machen, gelingt auch uns nicht.“ Jetzt, da das Baubewilligungsverfahren seinen ordentlichen Lauf genommen habe, sehe man aber von einer weiteren Informationsveranstaltung ab.

Bereits wieder distanziert

Im gleichen Zeitpunkt, in dem die Unterschriftensammlung stattgefunden habe, seien aus der Steckborner Bevölkerung Gönnerbeiträge und Spenden von mehreren tausend Franken eingegangen. „Dafür sind wir ausserordentlich dankbar und fassen es als Vertrauensbekundung auf.“ Im übrigen, betonen die Stiftungsräte in einer Medienmitteilung, hätten sich einige der Eingabe-Unterzeichnenden bereits wieder davon distanziert.

Heimatschuztpreis an Architekten

Hinter dem Projekt stünden Persönlichkeiten, die historische Gebäude erfolgreich gerettet und auf eine wirtschaftlich solide Grundlage gestellt hätten, schreiben die Stiftungspräsidenten. Als Thurgauer Beispiele erwähnen sie die Kartause Ittingen, das Eisenwerk Frauenfeld, das Schloss Herdern, das Bodman-Haus Gottlieben oder die Mühle Schönenberg, für die einer der Projekt-Architekten, Hans Bissegger, mit dem Preis des Thurgauer Heimatschutzes geehrt worden sei. „Vor den finanziellen und betrieblichen Abenteuern mit der Komturei Tobel und dem Greuterhof Islikon haben wir von Anfang an gewarnt.“

Einsitz der Betroffenen

„Wir sind eine private Stiftung nach ZGB. Gemäss Stiftungsurkunde gehören dem Stiftungsrat sieben bis neun Mitglieder an“, heisst es im Brief weiter. Je ein Sitz stehe der Politischen Gemeinde zu, der Evangelischen Kirchgemeinde und der Heimatvereinigung. Die übrigen Mitglieder seien frei wählbar. „Es war und ist richtig, auch Nicht-Steckborner in den Stiftungsrat zu wählen. Denn der Turmhof besitzt neben der lokalen auch eine kantonale, überregionale Bedeutung. Ohne diese wäre es niemals gelungen, beim Kanton und bei gesamtthurgauischen und nationalen Institutionen die unabdingbaren finanziellen Zuwendungen zu erwirken.“

Bitte um Sachlichkeit

Die Stiftung Turmhof bedauert, „dass die Unterschriftensammlung mit unsachlichen Leserbriefen voller Falschbehauptungen begleitet worden ist“. Die Öffentliche Eingabe mit den Unterschriftenbögen sei am 29. März eingetroffen. Die Anliegen habe man eingehend behandelt, schreibt die Stiftung in ihrer Medienmitteilung. Und direkt an die Verfasser der Eingabe bittet sie darum, das Projekt Turmhof zwar kritisch zu begleiten, aber auch die positiven Aspekte wahrzunehmen. „In Ihrer Eingabe selber hätten wir zugegebenermassen gerne gelesen, dass Sie das Vorhaben grundsätzlich gutheissen, da und dort jedoch Vorbehalte anmelden und Verbesserungen erwarten. Der sachliche Ton Ihrer Eingabe hätte auch zu den im ,Boten‘ von Mitunterzeichnern veröffentlichten Leserbriefen gepasst.“

Kein Rückzug des Baugesuchs

Nach bestem Wissen und Gewissen seien die Baupläne ausgearbeitet worden. Sie seien finanziell realistisch und geeignet, das baufällig gewordene Wahrzeichen Steckborns im einstigen Glanz erstrahlen zu lassen, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und eine lebendige Altstadt zu fördern. Es sei nun an der Baubewilligungsbehörde, das Vorhaben auch im Licht der Einsprachen zu prüfen, so die Medienmitteilung, „Wir arbeiten mit den Behörden kooperativ zusammen.“ Das Baugesuch werde nicht zurückgezogen.(ho)

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zur Meinung der Gegner

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