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von Inka Grabowsky, 02.11.2016

Dreispitz feiert 10. Geburtstag

Dreispitz feiert 10. Geburtstag
Zehn Jahre Dreispitz in Kreuzlingen - für die meisten Beobachter ist es eine Erfolgsgeschichte. | © Inka Grabowsky

Der Erfolg begann mit einem Scheitern: Nur weil die Kreuzlinger eine Stadthalle 2002 ablehnten, entstand überhaupt die Idee für den Dreispitz. Zehn Jahre nach der Eröffnung blicken fast alle positiv zurück. Auch wenn es immer noch offene Wünsche gibt.

Von Inka Grabowsky 

 „Der Dreispitz war von Anfang an erfolgreich", sagt die Kreuzlinger Stadträtin Dorena Raggenbass. „Die Sporthallen sind fast ständig in Benutzung, und den Saal belegen hundert zum Teil mehrtägige Veranstaltungen an rund 250 Tagen im Jahr. Damit sind wir hoch zufrieden." Betrieben wird der Dreispitz von den Besitzern, der Stadt und den Schulen Kreuzlingens, wobei sich letztere um die Turnhallen kümmern, während sich die Stadt auf die Kultureinrichtungen beschränkt. Die beiden Organisationen sind mit zusammen vierzig Veranstaltungen pro Jahr auch die Hauptnutzer der Infrastruktur, gleich danach folgen Vereine, die dreissigmal den Saal mieten. Kreuzlinger Firmen und Privatleute brauchen ihn rund zwanzigmal. Gut ein Dutzend Vermietungen erfolgt an kommerzielle Anbieter. Finanziell geht diese Rechnung nicht auf.

Das KIK-Festival lädt nur die grossen Kabarett-Stars in den Dreispitz - Hier Urban Priol nach seinem Auftritt  2015 ((Link: http://www.thurgaukultur.ch/magazin/1586/))

Prominente Gäste: Das KIK-Festival lädt nur die grossen Kabarett-Stars in den Dreispitz - Hier Urban Priol nach seinem Auftritt 2015. Bild: Inka Grabowsky

 

Der Dreispitz kostet die Stadt 360 000 Franken pro Jahr und bringt durchschnittlich 200 000 Franken an Einnahmen. „Aber schwarze Zahlen waren nie das Ziel", so Dorena Raggenbass. „Es war klar, dass uns die Förderung der Kultur etwas wert sein muss – und die Zahlen stimmen genau mit der Prognose überein. Es ist nicht teurer geworden, als wir vor zehn Jahren angenommen haben." Inwiefern das neue Bodenseeforum in Konstanz zukünftig die Auslastung des Kreuzlinger Kulturzentrums beeinträchtigen wird, ist ungewiss. „Der Einfluss des Bodenseeforums  wird nicht spürbar sein, denn die Belegungen durch Konstanzer Veranstalter ist sehr gering, vor allem seit dem Frankenschock", meint Ruedi Wolfender vom Departement Gesellschaft der Stadtverwaltung Kreuzlingen.

Historische Augenblicke

Der Erfolg begann mit einem Scheitern: Die Kreuzlinger Stimmbevölkerung lehnte den Bau einer Stadthalle auf dem Löwenareal ab. Gleichzeitig plante die Sekundarschulgemeinde eine neue Turnhalle. Der damalige Stadtrat Guido Leutenegger kam dann auf die Idee, Stadthalle und eine Dreifachturnhalle zu kombinieren und damit Kanton (der für die Turnhalle der Pädagogischen Hochschule Thurgau zuständig ist), Schulen und Stadt zu Partnern zu machen. Das kam gut an. Über vierzig Prozent der Kreuzlinger nahmen 2002 an der Abstimmung teil. Rund zwei Drittel davon genehmigten die Kredite in Höhe von 18,2 Millionen Franken, die Oberstufengemeinde und Stadt für den Bau aufnehmen mussten. Noch nie zuvor war ein so hoher Kredit vom Volk abgesegnet worden. Mit der Entscheidung sei die Voraussetzung für die Stadtentwicklung gegeben, kommentierte die Thurgauer Zeitung damals.  Von einem Zentrum aus liessen sich Ideen entwickeln. In Anbetracht der kommenden Abstimmung über ein Stadthaus direkt neben dem Dreispitz sind das prophetische Worte. Am 27. November wird sich zeigen, ob die Kreuzlinger Stimmbürger auch bei einer Kreditsumme von 47,5 Millionen nicht nein sagen.

Orchester ist gerne zu Gast: Die Südwestdeutsche Philharmonie interpretierte Chaplins Citylights  im Januar 2016. Bild: Inka Grabowsky

 

Die Pädagogische Maturitätsschule gleich neben dem Dreispitz freut sich seit zehn Jahren vor allem über den Saal. Der Rektor Lorenz Zubler sagt: „Wir nutzen den Dreispitz für die Maturafeiern, die Schuljahreseröffnungen und für die schriftlichen Aufnahmeprüfungen. Er ist eine gute Ergänzung zur Campus-Aula, die für circa 350 Personen Platz bietet, was für die erwähnten Anlässe nicht reicht." Die Ergänzung zur Aula ist für viele der Kulturschaffenden der wichtigste Punkt. Die Südwestdeutsche Philharmonie beispielsweise spielte bis 2006 gelegentlich in der Aula, heute präsentiert sie ihre Musik im grossen Saal vor bis zu 600 Zuschauern. „Die Musiker und Musikerinnen der Südwestdeutschen Philharmonie spielen gerne im Dreispitz", so Pressesprecherin Martina Kraus. „Er hat eine vergleichsweise gute Akustik und - anders als das Konzil in Konstanz - uneingeschränkten Sichtlinien. Die Raumhöhe und die technischen Möglichkeiten haben wir bei der Umsetzung der Stummfilmkonzerte mit Orchestermusik besonders zu schätzen gewusst."

 

Offene Wünsche

Ebenfalls regelmässiger Mieter ist das KIK-Festival. Allerdings lädt Festival-Gründer und Programmleiter Micky Altdorf erst seit 2009 Stars der Kabarett-Szene in den Dreispitz ein. „Wir haben 2002 mit den Spielorten Theater an der Grenze und Aula der PMS begonnen, weil sich hier die Kosten im Rahmen hielten. Uns fehlte das Gespür dafür, mit welchen Künstlern wir die Ausgaben für die Miete im Dreispitz wieder erwirtschaften können." Zwischen 1800 und 2800 Franken Miete kämen jeweils zusammen, je nachdem, welche Infrastruktur man brauche. Damit sich das amortisiert, müssen mindestens 400 Eintrittskarten verkauft werden. „Das haben wir in der Vergangenheit nicht immer geschafft – mit desaströsen Folgen für unsere Finanzen." Nach wie vor ist Altdorf der Meinung, dass der Dreispitz-Saal für Kulturvereine wie „Kabarett in Kreuzlingen", die ohne kommerzielles Interesse arbeiten, zu teuer ist – auch wenn das KIK wie alle Kreuzlinger Vereine einen ermässigten Tarif bezahlen muss. In den ersten Jahren kam noch ein Problem dazu: „Anfangs mussten wir Ton- und Lichttechnik dazu mieten. Im Laufe der Zeit hat sich von der Seite der Stadt als Betreiber aber viel verbessert. Wir müssen jetzt nichts mehr zusätzlich organisieren."

Micky Altdorf wird sich an den Feierlichkeiten am 5. November beteiligen. Auf Bitte von Dorena Raggenbass legt er als „DJ Micky Mix" Musik auf: „Ich habe mir mein Studium damit finanziert. Für so eine besonderen Anlass lasse ich das gern wieder aufleben." Die PHTG ist mit dem Chor „PH-Wert" vertreten. Auch die PMS steuert etwas zum Programm bei. Die Schülerin Belinda Portmann wird singen, Vera Silberring und Delia de Solda aus der Kunst- und Sportklasse bieten genau das: Kunst und Sport. Sie zeigen Akrobatik zu Musik.

 

 

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