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07.12.2013

Chlausdebatte zur werkschau tg

Chlausdebatte zur werkschau tg
Chlausdebatte 2013 der Kulturstiftung des Kantons Thurgau: Claudia Rüegg und Klaus Hersche im Hintergrund von rechts; vorn links macht sich Markus Landert Notizen. Rechts sammelt Theatermann Uwe Schuran Ideen für seine Wochenschau (?). Bild: ho | © Brigitta Hochuli

Brigitta Hochuli

Der Chlaus war weit und breit nicht zu sehen, nur zwei Grittibänzen und Klaus Hersche. Zusammen mit Kulturstiftungspräsidentin Claudia Rüegg moderierte der Stiftungsbeauftragte die diesjährige Chlausdebatte zum ersten Mal in den neuen Räumen des Stiftungsbüros. Rund 30 Gäste waren gekommen und trugen ein paar Meinungen und Vorschläge zur noch frisch in der Erinnerung haftenden ersten werkschau tg zusammen.

Das war gut, denn öffentlich blieben die Reaktionen auf das Mammutunterfangen zugunsten der Thurgauer Kunst genau so aus wie beim Kunstmuseum. Claudia Rüegg freuen zwar die zahlreichen positiven, persönlichen Feedbacks von inner- und ausserhalb des Thurgaus. Aber Klaus Hersche bedauert es, Kritik nur aus zweiter Hand zugetragen zu bekommen. Denn er selbst nähme sie vorbehaltlos entgegen. So hat er sich auch über den Beitrag von Jürg Schoop auf thurgaukultur.ch gefreut. „Wir sind uns bewusst, dass die werkschau kritisierbar ist, ich wünschte, dies würde auch ausgedrückt.“

Kritik geübt hat die Kulturstiftung als Organisatorin der werkschau an sich selber. Zum Beispiel waren Ausstellungsdauer und Öffnungszeiten der fünf Kunstorte wohl nicht optimal. Sodann gebe es in der Ausschreibung beim Thurgau-Bezug der Teilnehmer kritische Punkte. Doch nur Künstler zu berücksichtigen, die im Kanton wohnten, wäre in der heutigen globalen Zeit katastrophal. „Dynamit“ geortet hat Hersche hingegen bei der traumhaften Zusammenarbeit zwischen Jury und Kuratorinnen und Kuratoren. Der Wille und die Begeisterung weiterzumachen, sei da.

Die Kuratoren vertrat unter anderen der Direktor des Kunstmuseums Markus Landert. „Wir haben die Definitionsmacht“, sagte er zu den Auswahlkriterien. „Wen ich interessant finde, ist ein Thurgauer!“ Nichtsdestotrotz, die Präsidentin denkt für ein nächstes Mal an einen anderen Modus, und dies dann transparenter kommuniziert. Interessant waren Gedanken zum Zusammenspiel von Jury und Kuratoren. Kuratoren seien auch Künstler, hiess es da. Was zur Überlegung führte, vor der Auswahl die Ausstellungsidee zu bestimmen.

Das Label werkschau tg „ufelupfe“, schlug ein weiterer Debattierer vor. „Wo waren Wort, Musik, Film und Tanz?“, fragte er. Würde man diese Sparten integrieren, könnte der Kanton seine eigene Position finden, ist er überzeugt. Das sei schwierig, meinte Landert. Literatur und bildende Kunst seien nicht kompatibel. Man könne Äpfel ja auch nicht mit Porsches vergleichen.

Die Chlausdebatte war lebhaft und unpolemisch. Man darf gespannt sein, welche Schlüsse die Kulturstiftung daraus zieht. In zwei oder drei Jahren vielleicht wird man es sehen. Claudia Rüegg jedenfalls will darüber nachdenken, was für den Thurgau dringend ist und was er schliesslich kann.

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