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von Tabea Wick, 20.05.2024

Ein Stückchen Schweizer Musikgeschichte

Ein Stückchen Schweizer Musikgeschichte
So sah das Open Air Bischofszell in seinen Anfängen aus. Das Foto stammt aus dem Jahr 1982. | © zVg

Wer hätte es gedacht? Das älteste Musikfestival der Schweiz ist im Thurgau beheimatet. Vom 24. bis 26. Mai findet das Open Air Bischofszell zum 50. Mal statt. Worauf sich das Publikum freuen kann, woher dieses mittlerweile kultige Open Air stammt und wie es zu dem wurde, was es heute ausmacht. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Es war 1969, im Summer of Love, als das jedermann bekannte Woodstock rund 400’000 Musikfans anlockte. Dieses Geschehen inspirierte die im selben Jahr gegründete katholische Jugendorganisation Team 69 in Sitterdorf dazu, etwas noch Bedeutenderes als Theater- und Filmabende zu organisieren. So stellte das Team 69 1971 das erste Open Air Bischofszell auf die Beine und schrieb damit ein kleines Stückchen der Schweizer Musikgeschichte – das Bischofszeller ist das älteste Open Air der Schweiz, das nun am letzten Mai-Wochenende 2024 die 50. Ausgabe feiert.

 

So sah das Open Air Bischofszell in seinen Anfängen aus. Das Foto stammt aus dem Jahr 1985 (Bühne Eberswilerholz). Bild: zVg

Den Wurzeln treu geblieben

Im Gegensatz zu anderen Festivals aus dieser Ära, die entweder «eingingen» und verschwanden oder gewachsen und profitorientiert geworden sind, ist das Open Air Bischofszell auf dem Heuberg in Schweizersholz seinen Wurzeln treu geblieben. Noch heute stehen ein familiäres Zusammensein und der Charme des überschaubaren Open Airs über den finanziellen Profiten. So lockt es jährlich Musikfans aus verschiedensten Kantonen an.

Das, was sich verändert hat, sind sein Standort und seine Vereinsmitglieder. In den ersten 20 Jahren fand das Open Air Bischofszell nämlich immer wieder an verschiedenen Standorten statt. Seit Anfang der 90er hat es sein Zuhause auf dem Heuberg in Schweizersholz gefunden. Und bei dieser alten Geschichte ist es klar, dass die Vereinsmitglieder andere sind.

 

Kleine Bühne, grosse Stimmung: Impression vom Open Air Bischofszell aus dem Jahr 2023. Bild: zVg

Nachfolge ist geregelt

Der Verein hat zum einen Mitglieder, die seit über 40 Jahren das Open Air Bischofszell zu dem machen, was es ist. Andererseits übernimmt wortwörtlich der Nachwuchs nun die Verantwortung. Die 24-jährige Vereinspräsidentin Nadine Keller erzählte vor zwei Jahren im Interview mit thurgaukultur.ch, wie ihr Vereinskollege sie im Kinderwagen über den Heuberg schob, als sie noch klein war. Ihr Vater gehört zu eben diesen alteingesessenen Vereinsmitgliedern.

Fast schon sinnbildlich für diese traditionsbewussten Werte tritt bei der 50. Ausgabe die Rockband Krokodil auf, die bereits bei der allerersten Durchführung des Open Air Bischofszell dabei war. Internationale Bekanntheit erlangte die Gruppe als Vorband unter anderem für Pink Floyd und Uriah Heep. Jünger, aber mit einer ähnlich tollen Erfahrung sind auch Doctor Victor im Line-up vertreten, die als Einheizer für AC/DC und Deep Purple spielten.

«Aller guten Dinge sind drei», muss sich der Open-Air-Verein gedacht haben, was Schweizer Rocklegenden angeht: So sind auch noch die Rockgrössen China am Freitagabend zu hören. Für die bunte Mischung, die man sich am Open Air Bischofszell gewohnt ist, sorgt die Reggae-Hit-Maschine Dodo. Nicht nur Krokodil hatte schon das Vergnügen, am Open Air Bischofszell zu spielen, auch The Rule sind 2019 schon einmal aufgetreten, kurz nach ihrer Zweitplatzierung beim Musik-Wettbewerb BandxOst.

 

Open Air Bischofszell Rengishalde (1983). Bild: zVg

Inspiration gibt’s beim Ostschweizer Bandwettbewerb

Übrigens lässt sich Nadine Keller jeweils beim Finale des Contests inspirieren und «fahndet» nach neuen Acts fürs Open Air Bischofszell, wie sie im Interview über die erste Ausgabe nach Corona verriet. Nötig wäre der Aufwand nicht unbedingt, denn es würden sich ohnehin schon über 100 Acts bewerben, um einmal auf dem Heuberg spielen zu dürfen. Qualität und die passende Stimmung stehen jedoch für den Verein an erster Stelle, sodass die Bands sorgfältig ausgewählt werden.

Festival mit viel Herzblut

Was man dieses Jahr anlässlich des 50. Jubiläums des Open Air Bischofszell erwarten kann, ist eigentlich dasselbe wie die letzten Jahre auch. Wer nun denkt, dass das langweilig klingt und abwertend gemeint ist, irrt sich. 

Denn nicht nur zu diesem besonderen Anlass, sondern bei jeder Durchführung des kleinen aber feinen Open Airs, steckt viel Herzblut drin, weshalb ich persönlich immer wieder mal reinschaue, reinhöre, reinfühle ins Open Air Bischofszell und die Musik, das Lagerfeuer, die offenen, herzlichen Besucher und die gelassene Stimmung auf dem Heuberg geniesse. An dieser Stelle alles Gute zur 50. Ausgabe, Open Air Bischofszell! Mögest du lange weiterexistieren!

 

Lagerfeuer beim Open Air Bischofszell 2022. Bild: zVg

 

Infos zu Camping & Tickets

- Vorverkaufsticket Freitag & Samstag: CHF 60.- (erhältlich in den auf der Homepage des Open Air Bischofszell aufgelisteten Vorverkaufslokalen, unter anderem im Schlarpe Club, dem Restaurant Adler und der Sternenbar in Bischofszell, sowie im Irish Eyes Pub in Amriswil, dem Blauen Haus in Kreuzlingen und in Jack’s Café in Weinfelden)

- Der Eintritt am Sonntag ist gratis

- Abendkasse: Tickets für Freitag (CHF 25.-), Samstag (CHF 50.-) oder Freitag & Samstag (CHF 65.-). Für Kinder unter 13 Jahren ist der Eintritt frei. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren müssen durch einen Elternteil begleitet werden.

- Für Büssli und Camper kann beim Eingang zum Festival eine Büsslivignette für CHF 20.- bezogen werden.

 

 

 

 

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