Seite vorlesen

von Ekkehard Faude, 17.06.2013

Eröffnung Museum Haus Dix

Eröffnung Museum Haus Dix
Reste von wilden Fasnachtsfeiern: Neu entdeckte Wandmalereien im Museum Haus Dix | © Kleinbach, © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Am 15. Juni wurde in Hemmenhofen (DE) das ehemalige Wohn- und Atelierhaus des Künstlers Otto Dix als Museum Haus Dix der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Lengwiler Libelle Verleger Ekkehard Faude postete seine Eindrücke auf Facebook und erweitert hier diesen - leicht kritischen - Bericht exklusiv für thurgaukultur.ch.

Ekkehard Faude

Am Samstag, bei der Fahrt zur Buchvorstellung in Gaienhofen, am Tag der Eröffung des Dix-Museums, ist die Vorstellung eines Kinderbuchs von Nelly Dix ja gerade passend. Über die Dörfer entlang dem See bis Stein, es gibt Bahnschranken, die einen mit Rotlicht zur Besinnung bringen. In Steckborn, wo das Hochwasser gerade in den Stadtgarten zu schwappen versucht, bumperte aus einem Festzelt eine Melodie, ich brauchte einige Zeit, um das Lied zu erkennen: „Super Trouper“. Die Abba sind nun auf die Blasmusik gekommen. Man möchte sich hinlegen, seufzend: dass ich das noch erleben darf…

Jeder eine Monade für sich

Im neu eröffneten Dix-Museum ist alles auf Audioguide ausgestellt. Man sieht museale Relikte, auch das schöne Himmelbett von Nelly Dix, das sie mit einem Totentanz-Fries geschmückt hatte. Man sieht das alles, aber kriegt keine optische Erklärung mehr. Kein Täfelchen, keine Legende. Das muss man mögen, für Jüngere oder auch weniger Leselustige mag das die moderne Lösung sein. Ich mag‘s eher nicht, wenn mir einer dauernd ins Ohr quatscht, nicht einmal, wenn mir Wahlmöglichkeit zwischen drei Dimensionen der Erklärung gegeben wird. Ich halte das für einen Irrglauben unserer Jahre, man könne uns aufs Hören festlegen, vereinzelt, jeder eine Monade seiner selbstversunkenen Lauschaktion.

Aber das sind nur einmal vorschnelle und ungerechte Bemerkungen: Am Samstag war das Haus so voller Besucher und so heiss, dass wir schon deshalb bald abgedreht sind. Wir holen das in Ruhe nach, wenn die Touris wieder weg sind, und dann auch digital gehörgeführt.

Reste der Fasnachtsfeiern

Sichtlich vergnügt war am Samstag der 84jährige Jan Dix, der für die Buchausgabe (Nelly Dix, „Die Geschichte vom weitgereisten kleinen Teufel Eitel“) ein Vorwort geschrieben hatte. Das Museum ist in den Räumen, in denen Jan Dix seine Jugend erlebt hat; seine Eltern Otto und Martha Dix haben ihr Haus 1936 in Hemmenhofen gebaut, damals noch kein Ortsteil von Gaienhofen. Dort auch hat seine dreizehnjährige Schwester Nelly ihm das Kinderbuch geschrieben und aquarelliert. Er nahm uns beiseite, ging voraus in die kühlen Kellerräume mit ihren Wandmalereien, Reste der wilden Fasnachtsfeiern im Hause Dix, bei denen auch die Mühlenwegs aus Allensbach mit dabei waren, als noch zu Seeräuberfesten eingeladen wurde mit dem selbstverständlichen Hinweis der Nachkriegszeit: Proviant ist mitzubringen.

***
Volles Haus für Nelly Dix: Buchvernissage des Libelle Verlags in Gottlieben im Oktober 2010

 

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Literatur

Kommt vor in diesen Interessen

  • Kritik

Werbung

Mit Sorgfalt für die Agenda – wir suchen Verstärkung

Ein kleines Pensum mit grosser Verantwortung für unser Service public-Angebot. 15 % | Start: September 2026

Gesucht per Herbst 2026: Geschäftsführung 20-30%

Das GENERATIONS steht für aktuellen Jazz, internationale Vernetzung und die nachhaltige Förderung junger Musiker.

Ausschreibung «Freies Atelierstipendium»

Bewerbungsdauer: 1. Juli bis Mitte August 2026 über die digitale Gesuchsplattform der Kulturstiftung Thurgau.

Ähnliche Beiträge

Literatur

Zwischen Chaos und Hoffnung

Mit «Gunni – Scheitern in 6 Teilen» hat die im Thurgau aufgewachsene Lara Stoll ein Buch geschrieben, das von Seite Eins an mitreisst. mehr

Literatur

Vom Unglück der Frau, die ihn geboren hat

In seinem neuen Buch „Königin der Nacht“ schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über das schwierige Verhältnis zu seiner Mutter. Am 9. Juni liest er daraus im Literaturhaus Thurgau. mehr

Literatur

Melancholie auf ganz dünnem Eis

Ein ausverkaufter Abend im Literaturhaus: Peter Stamm spricht über sein neues Buch, Nichtkommunikation und die Frage, ob Literatur politisch sein muss. mehr