von Mia Nägeli, 29.10.2015
Harter Tobak

Das Theater Bilitz spielt diese Woche für interessierte Schulklassen ein kurzes Inputstück zum Thema «Rauchen». Dabei stehen die Schülerinnen und Schüler auch mal selbst auf der Bühne.
Das Theater Bilitz spielt im Theaterhaus Thurgau diese Woche in Zusammenarbeit mit der Lungenliga Thurgau das Stück Qualm: Ein einstündiges Input-Theater für Schülerinnen und Schüler zum Rauchen. Was hier «Input-Theater» heisst, ist eine Mischform aus Forumtheater, klassischem Theater und einem Präventionsvortrag.
Interaktive Anekdoten
Alles beginnt ziemlich konservativ: Ein Referent mit Assistentin doziert über Raucherquoten, bis plötzlich eine Marketing-Fachfrau für Tabak in den Raum stolpert. Langsam verwandelt sich der Vortrag in Erzählungen aus dem Leben der Protagonisten: Die erste Zigarette, die rauchenden Freunde, die stinkende Wohnung daheim.
Und so beginnt alles: Die erste Zigarette mit Jugendfreunden. (Bilder: David Nägeli)
Die Schauspieler stellen die Szenen nach und sobald die Erzählerin vor den Freunden klein beigibt und sich die Zigarette anzündet, wird geschnitten. Gemeinsam mit dem Publikum suchen die Schauspieler alternative Handlungsmöglichkeiten: Andere Worte, andere Handlungen, andere Gedanken. In «Qualm» kommen die Schülerinnen und Schüler gleich selbst auf die Bühne und spielen vor, wie man der Zigarette fernbleibt: Klassisches Forumtheater nach Augusto Boal.
Erfahren mit Forumtheater
«Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich ernstgenommen», sagt Roland Lötscher, Theaterleiter des Bilitz. Im Präventionsstück spielt er den Redner und Präsentatoren, mit dem Bilitz hat er bereits diverse Animations- oder Foren-Theaterstücke realisiert: Cybermobbing, Erziehungsstil, Bewerbungsgespräch. «Es dreht sich auch darum, auf eine spielerische Art und Weise neue Sichtweisen auszuprobieren», sagt Lötscher.

Viel Beteiligung von den Jugendlichen.
Ergänzt wird das spielerische Neuschreiben der Kurzgeschichten mit Fakten: Diese hat die Lungenliga Thurgau dem Bilitz geliefert. Nach der Erstaufführung im letzten Jahr hat man für dieses Jahr die Fakten aktualisiert: Wissenschaftler haben mehr Schadstoffe in der Zigarette entdeckt, die E-Zigi wird auch zum Thema. «Das Theater ist für uns eine grossartige Methode, um unsere Präventionsarbeit überraschend und spannend zu gestalten», sagt Janina Diethelm, Eventmanagerin für die Lungenliga.
Weitere Aufführungen geplant
Und das scheint zu funktionieren: Die Schülerinnen und Schüler beteiligen sich an der Diskussion und eifern mit, wenn ein Kollege von ihnen vorne auf der Bühne vorspielt, wie man mit rauchenden Eltern umgehen könnte. Und nach dem Stück, während einzelne Schüler auf dem iPad ihr Gesicht künstlich altern lassen, teilen andere ihre Raucher-Geschichten (das heisst: die ihrer Familie) mit den Schauspielern.

Roland Lötscher als Referent mit der rauchenden Assistentin (Agnes Caduff).
«Wir hatten genug Anfragen für drei oder vier Mal weitere Veranstaltungen», sagt Diethelm. Das Theater Bilitz führt das Stück deshalb auch weiter: «Qualm» kuschelt sich ins Repertoire der Input- und Forumtheater. Dabei auch nicht zu vergessen: Die Schüler lernen nicht nur, mit Cybermobbing oder dem Rauchen umzugehen. Für viele mag das auch ein Erstkontakt mit der Theaterkultur sein. Nur schon alleine deswegen, ist das Animationstheater einen Besuch wert.
Die Sache mit dem Rauchen…
…hat auch unser Korrespondent Sascha Erni genauer unter die Lupe genommen. Nachlesen hier: «Kreative Rauchzeichen».
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