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von Mia Nägeli, 10.05.2016

Ein Herrenchor zum Abschied

Ein Herrenchor zum Abschied
Egersdörfer und Fast zu Fürth am KiK in Kreuzlingen | © David Nägeli

Am Sonntag schlossen Egersdörfer und Fast zu Fürth das Kabarett in Kreuzlingen (KiK) mit leichtfüssigen Liedern. Die Highlights fanden sich aber in den Pausen dazwischen. Ein kurzer Festivalrückblick.

David Nägeli

Die fünf Herren, die am Sonntag auf der Bühne des Theaters an der Grenze standen, sehen eigentlich aus wie mehr oder weniger brave Ehemänner, die ab und zu vergessen, den Klo-Deckel hochzuklappen, oder ein paar Bier zu viel trinken. Und klingen tut die Sause wie ein etwas zynischer Herrenchor mit einem Hauch Tourette-Syndrom und Multi-Instrumentaler-Früherziehung.

Vagabundenromantik mit Nonsens

«Schlimme Worte mit schöner Musik» versprach der Pressetext. Für das Schöne waren Fast zu Fürt zuständig: Mit Waschbrett, Gitarre, Glocken, Bass, Akkordeon, Ukulele, Mundtrommeln, einem Miniatur-Becken, und, und, und … Für das Schlimme trat Matthias Egersdörfer ans Mikrophon. «Komm ich reiche dir die Hand / Und dann ziehen wir durchs Land / Und dann werden wir eine Bewegung sein» - soweit klingt das noch nach Tocotronic und deren Klassenkameraden der Hamburger Schule - «und dann pullern wir zusammen an einen Baum.» Und aus ist die Romantik.

Rechts Matthias Egersdörfer mit seinem «Zwillingsbruder» Philipp Moll am Waschbrett. Bild: David Nägeli

 

Fast zu Fürth spielen mal Weihnachtslieder, mal Bluegrass-Songs, mal ein Rock'n'Roll-Stück. Und Egersdörfer dichtet auf bekannte Melodien Texte wie «Stalingrad» (zehn Mal am Stück wiederholt) oder «Ich habe mich in ein Tretboot verliebt». Und die gelegentliche Erwähnung von Geschlechtsteilen bleibt auch nicht aussen vor. Nonsens können die Herren - und musizieren ebenfalls.

Die Highlights steckten zwischendrin

Dennoch waren die Lacher während der Lieder selten so laut, wie bei Egersdörfers gewieften Ansagen zwischendrin. (Selbst der Gitarrist der Band musste sich grosse Mühe geben, nicht laut loszulachen.) Egersdörfer zeigt sich begeistert von den «Schweizer Bonzen», wie diese mit «aufgespritzten Lippen trotzdem gut mitsingen können» und lädt das Publikum dazu ein, nach der Show doch mit ihnen noch den einen oder anderen Mercedes auf den Kreuzlinger Strassen anzuzünden.

Stark: Das Multitalent Robert Stefan spielt wechselt alle paar Lieder das Instrument. Bild: David Nägeli

 

Egersdörfer und Fast zu Fürth boten keinen typischen Abschluss für das KiK, denn ganz so ausgefeilt musikalisch ging es bisher noch nicht zu und her. Und der Szenegrösse Hagen Rether (das Fazit der Redaktion: Die Moralkeule hat gesessen) oder den Liedermachern Simon & Jan können sie mit ihrem Alltagswitz doch nicht ganz das Wasser reichen. Dennoch ist ihr kurzweiliges Programm ein gelungener Abschluss für ein durchwegs gelungenes Festival.

Wiederholungstäter im kommenden Jahr

Das KiK wird im nächsten Jahr wiederum Kabarettisten aus dem deutschsprachigen Raum nach Kreuzlingen laden. Die ersten Namen sind bereits bekannt: Urban Priol und Alfred Dorfer waren bereits 2015 zu Gast. Michael Elsener («Mediengeil») besucht das KiK ebenfalls. Und hoffentlich wird sich das Festival auch wieder der Kultur der Region widmen - denn der Auftakt mit der (Apfel-)Crème de la crème der Thurgauer Szene war ein hübsches Novum am diesjährigen KiK.

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