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Kreuzlinger Museen: Zukunft wird (auch) aus Geld gemacht

Kreuzlinger Museen: Zukunft wird (auch) aus Geld gemacht
Im Seemuseum warten viele Geschichten darauf, entdeckt und erzählt zu werden. | © Seemuseum, Nina Kohler

Seemuseum, Bodensee Planetarium und Museum Rosenegg sollen ab 2027 mehr Geld erhalten. So will der Kreuzlinger Gemeinderat die Weiterentwicklung der Häuser sichern. Das letzte Wort hat aber das Volk. (Lesedauer: ca. 5 Minuten)

Als die Kreuzlinger Museen das letzte Mal vor einem Volksentscheid standen, ging es ums Ganze. „Sollte unser Anliegen abgelehnt werden, müssen wir uns ernsthaft Gedanken machen über unseren Weg“, sagte Ursula Steinhauser, die damalige Leiterin des Seemuseums, im Gespräch mit thurgaukultur.ch. Auch damals ging es um eine Erhöhung der Beiträge für die Museen. Neben dem Seemuseum waren vor zehn Jahren das Bodensee Planetarium sowie das Museum Rosenegg betroffen. Die Sache ging 2016 gut aus. Das Volk sagte deutlich „Ja“ zu der Erhöhung der jährlichen Beiträge. Und machte so erst möglich, was in den Jahren danach folgte - drei Museen, die in wesentlichen Zahlen Erfolge vermelden können.

Die Besucher:innen-Zahlen sind gestiegen, das Angebot ist gewachsen, immer mehr Schulklassen kommen in die Häuser und auch die Zahl der Menschen, die sich freiwillig und ehrenamtlich in den Museen engagieren ist gestiegen. Zehn Jahre nach dem ersten Schritt, soll jetzt der nächste Schritt folgen.

Mit einer weiteren Erhöhung der Gelder von 380’000 auf 600’000 Franken ab 2027 pro Jahr für alle drei Museen zusammen, soll die Zukunft der drei Einrichtungen in den kommenden zehn Jahren gesichert werden. Demnach soll das Seemuseum künftig 75’000 Franken pro Jahr mehr bekommen (also 200’000 Franken statt 125’000 Franken pro Jahr), das Rosenegg 80’000 Franken mehr (240’000 statt wie bisher 160’000 Franken) und Planetarium und Sternwarte 65’000 Franken mehr (160’000 statt 95’000 Franken). 

 

Einblicke in de Sternwarte und das Planetarium
Einblicke in de Sternwarte und das Planetarium. Bild: Archiv

Was Stadtrat Daniel Moos zuversichtlich stimmt

Bereits im Januar hatte der Kreuzlinger Gemeinderat dafür den Weg frei gemacht. Mit grosser parteiübergreifender Unterstützung wurde die Erhöhung der Museumsbeiträge angenommen: Bei einer Enthaltung hiess das Parlament die Botschaft mit 34 Ja- zu 1 Nein-Stimme deutlich gut. Jetzt kommt es aufs Volk an - Ende September können die Stimmbürger:innen final über die Unterstützung der Museen abstimmen. Daniel Moos, Stadtrat im zuständigen Departement Gesellschaft gibt sich optimistisch: „Ich bin zuversichtlich bei der Abstimmung. Die Museen geniessen grosse Sympathien in der Bevölkerung und sind bestens im gesellschaftlichen Leben unserer Stadt vernetzt“, sagt er gegenüber thurgaukultur.ch 

Der jetzt eingeschlagene Weg ist der richtige für ihn: „Mit der Erhöhung eröffnen wir den Museen die Chance auf Weiterentwicklung, damit sie ihre wichtigen Funktionen für die Stadt in den Bereichen Vermittlung, Bildung und dem Bewahren unseres kulturellen Erbes weiter und noch besser wahrnehmen können“, so Moos weiter. Die zusätzlichen Gelder seien auch deshalb notwendig, weil Kreuzlingen sich seit der letzten Erhöhung weiter entwickelt habe, erklärt Moos: „Unsere Stadt ist in den letzten Jahren gewachsen, damit wachsen auch die Anforderungen und Erwartungen an die Museen. In den Häusern sind die Strukturen dafür aber nicht entsprechend mitgewachsen. Das wollen wir mit der Erhöhung jetzt ermöglichen.“

 

Christian Hunziker und sein Vor-Vorgänger Walo Abegglen im Kreuzlinger Seemuseum. Bild: Inka Grabowsky

 

Mehr zum Thema

Einen Kommentar zu den Entwicklungen in der Kreuzlinger Museumslandschaft gibt es hier.

Langer Weg bis zur politischen Entscheidung

Das sieht man in den Museen ganz ähnlich. Gemeinsam haben die drei jeweils von einer eigenen Stiftung getragenen Häuser eine Strategie entwickelt. „Vor der jetzigen Entscheidung im Gemeinderat liegt ein langer politischer Prozess. Wir haben 2022 angefangen unsere Arbeit zu evaluieren. Die Überlegungen sind in das überarbeitete Museumskonzept der Stadt geflossen. Die darin formulierten Leistungen und Erwartungen an die drei Museen sind jetzt die Grundlage für die notwendige Erhöhung der Betriebsbeiträge“, sagt Christian Hunziker, Leiter des Seemuseums.

Die Quintessenz damals war: Die vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen reichen in allen drei Häusern nicht aus, um den Museumsbetrieb auf dem heutigen Niveau mittel- bis langfristig aufrechtzuerhalten. Das gemeinsame Ziel: den Weg der Professionalisierung in den Museen mit mehr Mitteln fortzusetzen. Dabei hat jedes Haus durchaus seine ganz eigenen Herausforderungen. 

Beim Seemuseum haben die Mieteinnahmen aus den sechs Wohnungen auf der Liegenschaft jahrzehntelang das Museum massgeblich mitgetragen. Jetzt werden auch dort Investitionen fällig, die diese Querfinanzierung nicht mehr im selben Mass ermöglichen. Das Rosenegg zehrt bereits jetzt für den laufenden Betrieb vom Stiftungsvermögen und Bodensee Planetarium und Sternwarte müssen den Bereich Technik und Vorführung professionalisieren. Die steigenden Besucherzahlen führen hier auch dazu, dass die Ehrenämtler an Grenzen stossen. Für eine positive Weiterentwicklung wird eine professionelle Ergänzung zum Ehrenamt benötigt. Das soll zudem Wissen nachhaltig im Betrieb sichern.

 

Spektakuläre Projektionen in der 360°-Kuppel des Bodensee Planetariums. Bild: Archiv

 

Was die drei Häuser voneinander unterscheidet 

Die drei Museen unterscheiden sich auch in einzelnen Kennzahlen. Planetarium und Sternwarte sind die Besuchermagneten: 2024 kamen mehr als 14’000 Besucher:innen und 142 Schulklassen wurde Wissen über Sterne und Universum vermittelt. Zum Vergleich: Sowohl im Seemuseum (8’650 Besucher:innen, 89 Schulklassen) als auch im Rosenegg (5’219 Besucher:innen, 31 Schulklassen) lagen die Zahlen im Vergleichsjahr 2024 niedriger. 

Zur Wahrheit gehört allerdings auch - das hat viel mit Strukturen zu tun. Im Rosenegg gibt es beispielsweise bislang keine eigene Stelle für die Vermittlungsarbeit. Genau das soll sich mit den erhöhten Beiträgen von der Stadt ändern. „Mit den zusätzlichen Mitteln wollen wir dem Vorbild des Seemuseum folgen und unsere Bildungs- und Vermittlungsangebote ausbauen. Das wird ein Schwerpunkt in den nächsten Jahren sein“, erklärt David Bruder, Leiter des Museum Rosenegg im Gespräch mit thurgaukultur.ch 

Auf die Frage, was passieren würde, wenn die Erhöhung nicht käme, antwortet David Bruder: „Ein anderes Szenario wäre natürlich, dass wir unsere inhaltliche Arbeit einschränken und weniger machen. Aber das kann nicht das Ziel sein. Wir wollen ja das kulturelle Erbe sichtbar und zugänglich machen.“ Für ihn ebenso wichtig: „Wir wünschen uns eine administrative Entlastung. Bislang haben wir mit unseren 1,2 Stellen sehr viel Verschiedenes selbst gemacht. Die administrative Arbeit reisst einen aber immer wieder aus der inhaltlichen Arbeit heraus. Damit wir uns künftig stärker auf gute Inhalte konzentrieren können, wollen wir ein Sekretariat aufbauen.“

 

David Bruder, Leiter des Kreuzlinger Museum Rosenegg. Bild: Michael Lünstroth

Was die drei Häuser verbindet

Bei allen Unterschieden - was alle drei Häuser jedoch verbindet - der Trend ist positiv. Und das über mehrere wesentliche Kennzahlen wie Besucher:innenzahlen, Schulklassenbesuche sowie Zahl der Anlässe. Mit den zusätzlichen Mitteln von der Stadt soll diese Entwicklung fortgeführt werden. Nicht alles davon wird man als Besucher:in sofort erkennen, erläutert Christian Hunziker vom Seemuseum: „Bei uns läuft auch viel im Hintergrund. Dinge, die man als Besucher nicht sofort sieht. Wir haben zum Beispiel die Sammlungsbetreuung schrittweise aufgebaut und professionalisiert.“ 

Trotzdem ist er überzeugt, dass am Ende auch alle Museumsbesucher:innen von den erhöhten Beiträgen profitieren werden: „Gleichwohl wird sich der erhöhte Betriebsbeitrag auch nach aussen auswirken - alleine, dadurch, dass die Museen Entlastung bei der Administration erhalten und Ressourcen für inhaltliche Arbeit frei werden.“

Ein Verteilschlüssel regelt, welches Haus, wie viel Geld erhalten soll

Wer am Ende wie viel Geld von der geplanten Erhöhung bekommt, dafür hatten die drei hinter den Museen stehenden Stiftungen bereits im ersten Museumskonzept von 2016 einen Verteilschlüssel entwickelt, der den unterschiedlichen Profilen und Herausforderungen der einzelnen Häuser gerecht werden will. 

Nun wurde dieser Schlüssel leicht angepasst. Demnach soll das Seemuseum künftig 200’000 Franken statt 125’000 Franken erhalten (Anteil von 33 Prozent an der Gesamterhöhung), das Rosenegg 240’000 statt wie bisher 160’000 Franken (Anteil: 40 Prozent) und Planetarium und Sternwarte 160’000 statt 95’000 Franken (Anteil 27 Prozent).

Dieser Verteilung hat auch der Kreuzlinger Gemeinderat in seiner Sitzung Mitte Januar zugestimmt. Zur Freude bei den Museen, wie Christian Hunziker sagt: „Die grosse Zustimmung im Gemeinderat ist ein tolles, parteiübergreifendes Bekenntnis aus der Politik zur Arbeit der drei Kreuzlinger Museen. Wir sind dankbar für diese starke Wertschätzung.“ Das sieht David Bruder genauso. Er sagt: „Ich erlebe die Zusammenarbeit mit der Stadt hier sehr kooperativ, die Wege sind kurz, ich spüre viel Wohlwollen gegenüber den Museen. Das ist sehr schön.“

 

Kulturvermittler Julian Fitze liest Märchen in der Fischereiausstellung.
Vermittlung spielt im Seemuseum schon jetzt eine grosse Rolle. Im Bild: Kulturvermittler Julian Fitze bei einer Vorlesestunde. Bild: Nina Kohler, Seemuseum

Die Bedeutung der Museen für die Stadt 

Dieses Lob gibt der Kreuzlinger Stadtrat Daniel Moos auf seine Art zurück: „Die Museen sind ein wichtiger Teil im Kulturleben unserer Stadt. Wenn sich Kreuzlingen weiter als Kulturstadt etablieren will, dann bilden die drei Institutionen einen äusserst wichtigen Puzzlestein im kulturellen Leben unserer Stadt.“  Jetzt liegt der Ball beim Volk. Die Volksabstimmung über die Erhöhung der Betriebsbeiträge für die drei Kreuzlinger Museen für die kommenden 10 Jahre findet am 27. September 2026 statt.

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