von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 09.02.2026
„Mit KI könnten wir Geschichte lebendiger machen.“

Zum Saisonauftakt auf dem Arenenberg: Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums über Fotoschätze, die Zukunft seines Museums, und warum Louis Napoleon sich eher mit Wladimir Putin als mit Donald Trump verstehen würde. (Lesedauer: 8 Minuten)
Herr Gügel, das Napoleonmuseum ist gerade in die neue Saison gestartet. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher 2026?
Wir werden ab Mitte März unter dem Titel „Was der Kaiser noch sah“ in Zusammenarbeit mit dem Konstanzer Stadtarchiv eine grosse Ausstellung zeigen. Darin präsentieren wir den Arenenberg, den Thurgau, den See und natürlich Konstanz in historischen Fotografien von etwa 1865 bis 1900.
Kann man auf diesen Fotos Neues entdecken?
Es wird jedenfalls neue Perspektiven geben. Insgesamt werden wir wahrscheinlich am Ende 350 Aufnahmen zeigen. Deshalb arbeiten wir stark mit digitalen Formaten. Die Besucherinnen und Besucher können sich an den analogen Flächen der Ausstellung in die Thematik einlesen beziehungsweise sich mit ihr „infizieren“ und dann an verschiedenen Stationen Platz nehmen. Hier besteht die Möglichkeit, viel mehr zu sehen und die Bilder interaktiv zu erkunden. Wenn Sie zum Beispiel wissen möchten, wie sich der Arenenberg und seine Umgebung baulich weiterentwickelt hat, können Sie das an den digitalen Bildschirmen nachvollziehen und bekommen auch vertiefte Hintergrundtexte dazu.

„Wir wollen uns in Kreuzlingen, am See und natürlich auch in Konstanz wieder etwas bekannter machen.“
Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums (Bild: Helmuth Scham)
Gab es kürzlich noch eine besondere Entdeckung?
Ja! Als durchsickerte, dass wir diese Ausstellung planen, haben wir eine Schenkung von über 250 Glasplatten aus der Umgebung bekommen, wohl genau aus der Zeit um 1900. Wir wissen noch gar nicht genau, was alles drauf ist – wir lassen sie jetzt digitalisieren. Zu den geplanten 350 könnten also noch eine schöne Auswahl dazukommen.
Woher stammen diese Glasplatten?
Soweit wir die Provenienz bisher klären konnten, stammen sie ursprünglich aus dem Nachlass unseres ersten kantonalen Verwalters und sind dann in den Besitz der Familie des letzten kaiserlichen Gärtners übergegangen. Dort lagerten sie immer in einem Schrank. Konkret stammen sie von einem unserer Haushandwerker, der einen Malerbetrieb besitzt. Als wir mit ihm über die Szenografie und die Farbe des Ausstellungsraums sprachen, meinte er: „Ach, jetzt wo Sie das sagen – ich hab die Glasplatten noch von meinem Grossvater geerbt und kann nichts damit anfangen. Ich bring sie Ihnen gleich vorbei.“ Auf die Nachfrage, ob er sie irgendwann wiederhaben will: „Nein, bloss nicht!“
Dominik Gügel (*1962) geboren und aufgewachsen in Konstanz. Nach dem Abitur Offiziersausbildung bei der Bundeswehr. Anschliessend Studium der Geschichte und Politischen Wissenschaften an der Universität Konstanz. Daneben Ausbildung und praktische Arbeit im Bereich Denkmalpflege / Restaurierung. Nach dem Studium Selbständigkeit im Bereich Kultur und Tourismus. Parallel Aufbaustudium der Kunstgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Universität Zürich. Seit 1998 am Napoleonmuseum Arenenberg, seit 2000 dessen Direktor. Leitender Militärhistoriker (d. Res.) und Dozent an der Offizierschule des Heeres in Dresden. Publikationen zu den Themenbereichen: Regionalia, Napoleonica, Militärgeschichte, Kultur-Tourismus. Mitarbeit in entsprechenden Fachgremien.
Sie sagten, die Ausstellung wendet sich auch bewusst an die einheimische Bevölkerung?
Genau. Wir wollen uns in Kreuzlingen, am See und natürlich auch in Konstanz wieder etwas bekannter machen. In den alten Familien ist der Arenenberg und das Napoleonmuseum natürlich ein Begriff, aber der Generationswechsel ist in vollem Gang und ausserdem sind sehr viele Menschen zugezogen. Geraden den „Neuen“ müssen wir den Arenenberg präsenter machen.
Wie könnte das gelingen?
Das machen wir am besten, indem wir zeigen, in welche Landschaft wir eingebettet sind und wie sich diese in den letzten 150, 200 Jahren verändert hat. Ausserdem ist es ein offenes Geheimnis, dass Menschen es lieben, ihre Heimat gerade in Fotos zu sehen. Fotos stellen – anders als Stiche oder Zeichnungen – einen stärkeren Bezug zur Gegenwart her.
Partizipation ist ein grosses Buzzword in der Museumswelt. Werden sich die Besucher:innen an der neuen Ausstellung auch einbringen können?
Ja, wir haben eine Station vorgesehen, wo wir die Schwarmintelligenz ausprobieren wollen. Wir präsentieren Bilder, die wir nicht zuordnen können, und fragen unsere Gäste: Wer weiss, vielleicht ist das Ihre Urgrossmutter? Oder: Das war doch der Hof von...? Ausserdem soll es auch „spielerische“ Elemente geben. In etwa nach dem Motto, „ordnen Sie das Foto der richtigen Umgebung (Stadt) zu.“

«Menschen lieben es, ihre Heimat in Fotos zu sehen.»
Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums (Bild: Petra Reinmöller)
Neben der Fotoausstellung – was sind die weiteren Schwerpunkte 2026?
Das Netzwerk Bodenseegärten verfolgt 2026/27 den Jahresschwerpunkt „Bäume am See“. Das greifen wir mit einer eigenen Baumwanderung auf. Der Arenenberg hatte ja mal ein grandioses Arboretum, das allerdings nach der Schenkung an den Kanton Thurgau grossteils abgesägt wurde. Einige tolle Baumdenkmäler haben aber bis heute überlebt. Ausserdem bemühen wir uns in den letzten knapp drei Jahrzehnten den Verlust – soweit es der Klimawandel zulässt – wieder zu ersetzen. Auch das Baum-Thema bietet unseren Besucherinnen und Besuchern viele Möglichkeiten selbst aktiv zu werden. Bei den grünen Themen arbeiten wir übrigens eng mit dem Naturmuseum in Frauenfeld zusammen. Eine tolle Partnerschaft, die Aussenstehende so nicht erwarten.
Und das Thema Wein spielen Sie weiter?
Auf alle Fälle. Das haben wir letztes Jahr im Mittelpunkt gehabt und festgestellt – Gott sei Dank, die Rechnung ging auf – dass Wein und Bodensee ein unheimlich interessantes Thema ist. Die wenigsten realisieren, dass wir hier eigene Reblagen haben, obwohl wir von Reben umgeben sind.
Ernsthaft?
Ohne Witz. Eine der meistgestellten Fragen letztes Jahr war: „Wo haben Sie denn Ihren Wein?“ Dann stehst du da und sagst: „Schauen Sie doch mal nach rechts runter, bitte.“ Die Leute sind einfach viel mehr auf den See und das Wasser fixiert. Das Thema Wein werden wir definitiv weiterspielen, auch über das laufende Interreg-Projekt zur Biodiversität mit Partnerorganisationen nicht nur rings um den See. Auf Arenenberg entstehen Versuchsweinberge mit verschiedenen Ansätzen – Untersaaten, Einpflanzung von Bäumen und Sträuchern.
„Wir könnten uns in einem neuen Napoleonmuseum politischen Fragestellungen widmen – denken Sie daran, was gerade mit unserer Demokratie passiert, auch in Europa.“
Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums
Was 2026 den Arenenberg auch prägen wird - es wird neue Baustellen geben.
Das stimmt. Wir sind sehr glücklich, dass der Grosse Rat beschlossen hat, das historische Gästehaus umzubauen – das ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Hotel, das es hier ja auch gibt. Das historische Gästehaus ist seit 15 Jahren Teil des Napoleonmuseums. Wir bekommen damit endlich vernünftige Räumlichkeiten für unsere Bibliothek, die ein ganz wesentlicher Teil unserer Sammlungen ist, und für Büros.
Wann soll der Umbau beginnen?
Die Baumassnahmen sollen im Oktober starten. Und werden laut Plan irgendwann um 2029 fertig sein.
Wenn der Bürotrakt also umzieht, gibt es neue Perspektiven und Flächen für das Napoleonmusuem. Wie könnte sich Ihr Haus in den nächsten Jahren verändern?
Wir haben natürlich unsere Ideen, die wir sukzessive mit Inhalten füllen. Schlussendlich werden wir dafür Geld brauchen – da beisst die Maus keinen Faden ab. Unsere Idee ist: Drüben im historischen Schloss bleibt die Zeitkapsel bestehen, wie wir sie kennen. Das ist von der Denkmalpflege vorgeschrieben und entspricht dem Schenkungsvertrag von Kaiserin Eugenie beziehungsweise den viel älteren Anweisungen Napoleons III. Er legte schon beim Rückkauf 1855 fest, dass alles so wiederhergestellt werden muss, wie seine Mutter und er es kannten.
Und hier in diesen Räumen, wo heute noch die Büros sind?
Hier hätten wir die Möglichkeit, komplett modern zu arbeiten. Wir könnten uns politischen Fragestellungen widmen – denken Sie daran, was gerade mit unserer Demokratie passiert, auch in Europa. Das lässt sich schön am Beispiel Louis Napoleon aufzeigen, wie er die Republik 1848 sukzessive ins Kaiserreich umwandelt und dann zunächst sehr autoritär regiert. Da kann man grosse Ähnlichkeiten zu Bereichen ziehen, die wir im Moment durchleben.
Das klingt nach einem sehr aktuellen Ansatz.
Das wäre eine Richtung. Wir denken auch an Blackbox-artige Formate, um mit KI zu arbeiten. Unsere Sammlungskuratorin Christina Egli hat die letzten Jahre viel Zeit damit zugebracht, sämtliche Briefe Louis Napoleons, die wir weltweit kennen, zu transkribieren und für alle Interessierten aufzuarbeiten. Sie sind über die Plattform Napoleon – Letters and Papers: Sources of a Family beim de Greuyter-Verlag für jedermann kostenfrei zugänglich.
Und was planen Sie damit?
Diese Inhalte könnten wir einer KI füttern und ihr quasi ein Gehirn von Louis Napoleon geben. Als Besucherin oder Besucher könnte man dann einem virtuellen Louis gegenübersitzen und ihm Fragen stellen: „Majestät, wie war das eigentlich mit Ihrem Putsch in Strassburg? Warum haben Sie den gemacht?“ So könnten wir Geschichte lebendiger und interaktiver machen.
„Eine Idee: Wir könnten eine KI mit den Briefen Louis Napoleons füttern und ihr so quasi ein Gehirn von Louis Napoleon geben. Das könnte spannende Interaktionen ergeben.“
Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums
Das tönt spannend. Kostet aber vermutlich viel Geld. Gibt es auch eine Alternative zu diesem progressiven, digital geprägten Ansatz?
Die zweite Variante wäre, dass wir hier Kleinausstellungsräume schaffen. Neue Tapete drauf, wo nötig, alles weiss rausgestrichen, Galerieschiene mit Beleuchtung. Damit könnten wir jedes Jahr etwas Neues präsentieren.
Was spricht für diese Variante?
Der Fluch der elektronischen Ausstellungen ist die Verfallszeit. Schauen Sie die Pfahlbauten an – nach wenigen Jahren musste die tolle Ausstellung schon wieder erneuert werden. Dazu brauchen Sie Geld. Die Galerielösung ist die einfachste, kostet am wenigsten und verschafft Luft. Die andere ist sicherlich spannender, aber da brauchen wir zusätzliche Mittel. Da müssten politische Entscheide kommen.
Wann ist realistisch mit einer Umsetzung neuer Ideen zu rechnen?
Wenn der Bau im Oktober beginnt, bin ich nicht sicher, ob wir 2029 wirklich fertig sind. Im historischen Gästehaus sind überall von historischer Substanz umgeben. Wer weiss, was da rauskommt.
Auf die Zukunft muss man also noch ein bisschen warten am Napoleonmuseum?
Ich fürchte ja.
„Von unseren klassischen Partnern aus Frankreich oder von anderen Museen kriegen wir keine Leihgaben mehr unter diesen Bedingungen. Das brauche ich erst gar nicht anzufragen. Die lachen mich nur aus.“
Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums
In weite Ferne gerückt ist auch ein anderes Projekt, das mit dem Umbau des Museums mal geplant war - ein unterirdischer Saal für Sonderausstellungen. Der wird sobald nicht kommen. Was bedeutet das für das Museum?
Dass wir auf absehbare Zeit keine Attraktivitätssteigerung auf dem Ausstellungssektor machen können. Wir haben keinerlei Möglichkeiten, Sonderausstellungen zu präsentieren. Wir greifen seit ein paar Jahren auf den bescheidenen Raum des ehemaligen Cinemas zurück, aber das ist eine Notlösung. Viel zu klein und dadurch fehlt uns der Einführungsfilm
Welche Folgen hat das für Leihgaben?
Wir kommen heute mit einem Raum, der nicht klimatisiert ist und nicht den ICOM-Vorschriften entspricht, nicht weiter. Von unseren klassischen Partnern aus Frankreich oder von anderen Museen kriegen wir keine Leihgaben mehr unter diesen Bedingungen. Das brauche ich erst gar nicht anzufragen. Die lachen mich nur aus.
Das heisst, Sie zeigen vor allem Exponate aus Ihrem eigenen Bestand?
Ja. Wir haben da zwar gute Sachen, aber trotzdem fällt die Attraktivitätssteigerung durch wertvolle Objekte anderer Häuser erstmal aus. Mindestens für die kommenden 5 bis 10 Jahre müssen uns damit anfreunden, die Linie der vergangenen Jahre weiterzufahren: das Schloss als Zeitkapsel, der Park, der Shop als wichtiges zweites Standbein für unsere Refinanzierung. Zusätzlich versuchen wir durch zusätzliche Vermittlungsangebote – Baumführungen, Weinführungen – die Leute für das Museum zu gewinnen.
Was rückt in den Fokus, wenn es keine Sonderausstellungen gibt?
Die Vermittlung und die wissenschaftliche Arbeit, die zu den Kernaufträgen eines Museums gehört. Demzufolge rücken wir verstärkt die Aufarbeitung unserer Sammlungen ins Zentrum und setzen uns damit auseinander. Die Exilgeschichte der Bonapartes im deutschsprachigen Raum wird von niemand sonst abgedeckt. Nicht nur unsere Partnerinnen und Partner in Frankreich vertrauen darauf. Wir sind deren Pendant in Europa.
Sie warten schon seit vielen Jahren auf eine Erweiterung der Ausstellungsräume, wurden aber immer wieder vertröstet. Wie gehen Sie persönlich mit solchen Rückschlägen um?
So etwas kann man als Museumsleiter nicht beeinflussen. Darüber muss man sich bewusst sein. Wir sprechen hier von Entscheidungen, die ganz klar in der Zuständigkeit der Regierung beziehungsweise des Parlaments liegen. Aber wir haben in diesen 28 Jahren, die ich hier bin, unheimlich viel bewegen können und dürfen. Denken Sie nur an die Parkanlage. Als ich vor 28 Jahren anfing, waren wir noch drüben im Museum in Räumlichkeiten untergebracht, die nicht geheizt waren. Frau Egli und ich sassen im Bundeswehrschlafsack mit Ärmeln vor dem Computer und haben so gearbeitet. Mittlerweile sind wir im Prinzenflügel mit funktionierender Infrastruktur. Insofern hat sich schon unheimlich viel entwickelt.

„Ich habe signalisiert, dass ich zwei Jahre verlängern würde.“
Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums
Und Sie haben trotz aller Enttäuschungen weiterhin Lust dabei zu bleiben?
Ich habe signalisiert, dass ich zwei Jahre verlängern würde. Ich gehe in einem Jahr ordentlich in Pension. Ich gehe aber davon aus, dass ich den Umbau des Gästehauses noch begleite. Das wäre aus meiner Sicht auch vernünftig – dann kann ich einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger mit gutem Gewissen die Schlüssel in die Hand drücken und sagen: So, das ist dein Büro, jetzt kannst du übernehmen.
Zum Abschluss eine etwas andere Frage: Wenn Prinz Louis Napoleon III. heute auf unsere Zeit mit ihren Konflikten und Unsicherheiten, sowie Autokraten wie Trump und Putin blicken würde – was würde er denken?
Da müsste man unterscheiden: Spricht der Prinz zu uns oder der Kaiser? Der Prinz würde das wahrscheinlich als völlig normale Entwicklung ansehen. Im Gegensatz zu uns kannte er keine regelbasierte Welt wie wir. Er ist in einer Welt aufgewachsen mit dem Motto: Derjenige, der die Macht hat, sagt, wo es langgeht.
„Der Prinz würde unsere Instabilitäten, Kriege und Krisen wahrscheinlich als völlig normale Entwicklung ansehen. Im Gegensatz zu uns kannte er keine regelbasierte Welt wie wir.“
Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums
Und der Kaiser?
Der Kaiser hätte das anders gesehen. Nach seiner eigenen autokratischen Phase hatte er sich zum Ziel gesetzt, seine autoritäre Monarchie in eine konstitutionelle zu verändern. Ähnlich wie die meisten europäischen Regierungen von heute hätte er wahrscheinlich versucht, die Regelbasiertheit aufrechtzuerhalten. Aber es ist immer gefährlich auf eine - was wäre gewesen, wenn – Frage zu antworten. Letztendlich können wir es nicht wissen. Und das ist wahrscheinlich auch gut so.
Wie würde Napoleon III. die nationalistischen Tendenzen in Europa beurteilen?
Ich denke nicht, dass er die Ideen der Le Pens, Orbáns oder der Kaczyńskis in Polen für gut befinden würde. Er hätte eher auf europäische Zusammenarbeit gesetzt. Ein Europa der Vaterländer vielleicht, wie es De Gaulle und Adenauer formulierten. Natürlich mit einem starken Frankreich eventuell sogar als Leitnation. Immerhin war er Kaiser der Franzosen, betonte aber immer, dass seine Heimat Arenenberg, Konstanz und Gottlieben ist. Der internationale Bodensee also.
Hätte sich Louis Napoleon persönlich mit Trump oder Putin verstanden?
Mit Trump eher nein – der wäre ihm zu proletenhaft im Gehabe gewesen und viel zu laut bzw. sprunghaft. Das entsprach nicht dem Wesen Napoleons III. Er war ein zurückhaltend analysierender Politiker. Nicht umsonst nannte ihn seine Zeitgenossen die Sphinx auf dem Thron. Bei Putin als russischem Zaren könnte ich mir das schon eher vorstellen, vor allem bei der Frage des Einsatzes von Militär zur Durchsetzung eigener Interessen. Wohl gemerkt, wir sprechen hier nicht von Legitimation!
„Mit Trump hätte er sich vermutlich nicht verstanden. Der wäre ihm zu proleten- und sprunghaft im Gehabe gewesen. Bei Putin sieht das schon anders aus.“
Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums
Krieg war für Louis Napoleon III. schliesslich auch ein Mittel zur Fortführung der Politik.
Krieg war für Napoleon III. durchaus auch eine mögliche Form, seine Politik und eigene Interessen fortzuführen. Denken wir, um eine Analogiemit der Gegenwart zu bemühen, an den Krimkrieg, der vor 170 Jahren endete. Sehr vereinfacht gesagt, greift das russische Zarenreich auf dem Balkan nach der Macht und wird von einer Koalition zwischen europäischen Mächte und dem Osmanischen Reich gestoppt. Frankreich spielt unter Napoleon III. dabei eine führende Rolle. Auch wenn dieser Krieg und seine Verluste tiefe Gräben schafft, einigt man sich im Frieden von Paris. Eine neue Weltordnung entsteht, die knapp 60 Jahre mehr oder minder halten wird.
Das Museum & die Öffnungszeiten
Das Napoleonmuseum Arenenberg ist seit dem 8. Februar 2026 wieder geöffnet. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr, letzter Einlass: 16 Uhr. Von April bis September täglich geöffnet. Die Ausstellung „Was der Kaiser noch sah“ wird am 14. März eröffnet. Das Museum im Internet: www.napoleonmuseum.ch

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