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von Brigitta Hochuli, 15.09.2012

„Künstler sind auch Menschen“

„Künstler sind auch Menschen“
Eine Auswahl der hochwertigen Ausstellung von Selbstporträts in der Remise Weinfelden. | © Brigitta Hochuli

Zum 20-Jahr-Jubiläum der Remise Weinfelden zeigt Jürg Ganz Künstlerselbstportraits aus einer Privatsammlung. Sehr empfehlenswert!

Brigitta Hochuli

Zwei Stunden vor der Vernissage klopft eine französisch sprechende Dame ans Scheunentor. Sie will unbedingt das Selbstporträt des Glarner Künstlers Alexander Soldenhoff (1882-1951) sehen. Dessen Bild ziert die Einladungskarte zur Ausstellung „Selbstportrait – vom Abbild zum Psychogramm“. Die Dame hatte sie zuvor im Shop des Kunstmuseums in der Kartause entdeckt.

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Ausstellungsmacherin Brigitt Näpflin war entzückt von diesem Besuch und noch mehr erfreut, als sich am Freitagabend Dutzende von Thurgauerinnen und Thurgauern in Weinfelden einfanden. Entzückt von Soldenhoff war auch Vernissageredner Karl Studer, Präsident der Thurgauischen Kunstgesellschaft und ehemaliger Direktor der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. Er, ebenfalls Glarner, kennt Soldenhoff seit Kindsbeinen.

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In seiner Rede erinnerte Studer daran, dass der einzelne Mensch in der Kunst der Renaissance plötzlich wichtig wurde und dass wir heute noch täglich am Bild „schleifen“, das wir von uns selber hätten. Das zeige auch, wie abhängig wir voneinander seien und wie schwer krank Menschen würden, die ihre eigene Identität nicht mehr selber gestalten könnten. Man sehe in dieser Ausstellung Künstler von vorn und von hinten, mit und ohne Attribute, mit und ohne Zigarette. Man sehe: „Künstler sind auch Menschen“.

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Seit Jahren ist Karl Studer mit dem Sammler und früheren Denkmalpfleger Jürg Ganz befreundet. Er kennt seine Bilder und schätzt das Auge des gelernten Fotografen, der von sich sagt: „Ich sammle Menschen, nicht primär Kunstwerke.“ Es ist aber beides zu sehen in dieser Ausstellung: Mensch UND Kunst - letztere von hohem Rang und durchaus nicht nur für Patrioten gesammelt!

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