von Brigitta Hochuli, 20.03.2011
Soirée im Kunstraum

Die Kunstgesellschaft lädt zur ersten Dinnerparty. 70 Gäste sollen sich von Ort und Rednern zu Kreativität verhelfen lassen.
Brigitta Hochuli
Die Thurgauische Kunstgesellschaft lud am 18. März im Kunstraum in Kreuzlingen zu ihrer ersten Soirée zum Thema Innovation und Nutzung kreativen Denkens. Mit von der Partie: Präsident Karl Studer, Kurator Richard Tisserand, Kulturamtchef René Munz, Prof. Roman Boutellier, Prorektor ETH Zürich, Dr. Ines Goldbach, Kuratorin Hallen für Neue Kunst Schaffhausen, Christoph Hartmann und Otmar Kurath, Gitarre und Text, Miriam Schweizer, Gesang.
Die weiss gekalkten Wände jungfräulich zwischen zwei Ausstellungen. Erst begonnen womöglich ein Fresko von Judith Villiger: „Bleu de France“ heisst ihr neues Werk. Vernissage ist am 2. April. Immer habe er einen Fuss in Paris, sagt Präsident Karl Studer von Kurator Richard Tisserand. Deshalb lade man zur Soirée. Man wolle feiern. Gekommen sind gegen 70 Kunstfreundinnen und Kunstfreunde. Der Raum gediegen geschmückt, die Gespräche an den stilvoll gedeckten Tischen unter interessanten Menschen von Diessenhofen bis Gais und Zürich angeregt. Die Nahrung leicht bekömmlich. Die künstlerischen Beiträge inspirierend.
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In den Dinner-Speeches geht es um den homo faber und kreative Momente. Roman Boutellier, Professor für Innovations- und Technologiemanagement, spricht von Fluch und Segen der Technik, zitiert nicht nur Max Frisch, sondern erwähnt kurz Fukushima. Es sei eine grosse Challenge, die extrem schwierige Balance zwischen Fortschrittsförderung und Staatschutz zu halten. Der Link zur Kultur: Jede Generation hat ihren eigenen Stil. „Es gibt in der Kunst keinen Fortschritt.“ Ein Zitat von Paul Feyerabend, ein Anarchist der Wissenschaftstheorie. Das sei überlegenswert auch für die Technologie.
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In uns allen stecke Kreativität, sagt Ines Goldbach. Es könne jeder gestaltend einwirken auf die Gesellschaft. Kunst könne Wahrnehmungsprozesse in Gang bringen. Es gelte, kreative Momente zu nutzen. Ein Beispiel: Die Hallen für Neue Kunst in Schaffhausen und daselbst das „Kapital Raum 1970-1977“ von Joseh Beuys als Ausgangspunkt für die Transformation der ehemaligen Kammgarnfabrik in einen Kunstort. Ein Ort als Ausdruck künstlerischen Verhaltens, sagt Ines Goldbach. Das bedeute: Mit allen Sinnen irgendwo beginnen und zu etwas kommen, was nicht beabsichtigt war.
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Kontrakpunkt zur schöngeistigen Reflexion: Die Lesung des Juristen Otmar Kurath, begleitet von Christoph Hartmann von den Wyfelder Luusbuebe. Die andere Sicht seit 1945. Die kulturelle Rebellion der Beatgeneration. Jimy Hendrix. Die Zukunft: „Im Tram macht ein Joint die Runde, in Pärken und Rathäusern finden Orgien statt. Alle werden sich freuen, in der Schweiz zu leben.“
Der Wermutstropfen: Das nur am Rande erwähnte Japan, der Krieg in Libyen. Es schien, als sei einem bildungsbürgerlichen Freundeskreis für die Dauer einer Soirée nicht nur der Esprit abhanden gekommen, sondern auch der Furor gegen den herrschenden Zustand.

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