von Brigitta Hochuli, 23.03.2011
Spannendes Experiment über ein illusionistisches Loch

Zu Valentin Magaros neuem Künstlerbuch hat Richard Grayson eine Bildbeschreibung verfasst. Kennengelernt haben sich die beiden im Kunstmuseum des Kantons Thurgau.
Brigitta Hochuli
Er ist Adolf-Dietrich-Preisträger des Jahres 2007 und erhielt vergangenen März einen Förderpreis der Internationalen Bodensee Konferenz (IBK). Der 39jährige Thurgauer Zeichner und Maler Valentin Magaro lebt und arbeitet in Winterthur.
Der 53jährige Brite Richard Grayson ist Künstler, Kurator und Kritiker. Zu seinen letzten Ausstellungen zählen die Sydney Biennale 2010 und eine Retrospektive von Arbeiten der letzten fünf Jahre im De la Warr Pavilion im englischen Bexhill. Noch bis zum 27. März ist seine Einzelausstellung "The Golden Space City of God" im Kunstmuseum des Kantons Thurgau zu sehen.
Der eine beherrscht das Handwerk des wissenschaftlichen Zeichners, den anderen beschäftigen Auswüchse des religiösen Fundamentalismus. Zusammengebracht hat sie Kuratorin Dorothee Messmer. An ihrer Wirkungsstätte in der Kartause Ittingen haben sich die beiden so unterschiedlichen Künstler denn auch erstmals getroffen.
Spontan zugesagt
Valentin Magaro gibt seit 1995 regelmässig limitierte und mit einer eingebundenen Originalzeichnung individualisierte Künstlerbücher über seine Arbeit heraus. Ziel dieser Bücher ist die fortlaufende Dokumentierung seiner Arbeit. Die Bücher sind jeweils mit Einleitungstexten namhafter Autoren versehen.
Zum neuen Künstlerbuch 2010 hat kein geringerer als Richard Grayson eine einfühlsame Beschreibung zur gesamten Bildstrecke des aktuellen Bandes verfasst. Spontan habe sich Grayson auf Anfrage entschieden, den Text zu schreiben, sagt Magaro. „Für uns beide war es ein sehr spannendes Experiment, weil er vorher meine Arbeit nicht kannte. Meiner Ansicht nach hat er gut verstanden, worum es in meiner gegenwärtigen künstlerischen Arbeit geht und dies in seiner persönlichen Sichtweise beschrieben.“
Gefaltet, verfremdet, komprimiert
Grayson folgt in seiner Beschreibung den Blicken einer Person, die ein Werk von Magaro betrachtet. Diese Person stehe vor dem Abgrund ihres eigenen alltäglichen Universums und schaue in ein anderes. Hier präsentiere sich eine in sorgfältigster Ausarbeitung entworfene, aus Schichten und Kurven neu aufgebaute Welt, die zwar Ähnlichkeiten mit der unseren aufweise, aber so gefaltet, verfremdet und komprimiert worden sei, dass ganz neue, andere Arrangements und Konstellationen entstünden, die eigenen grammatikalischen Regeln und Beziehungen zu folgen schienen.
Exakt, kalt, unversöhnlich
Die Linien und Flächen dieser neuen Welt, so Grayson, seien so präzise gestaltet wie das Gemälde eines Renaissancekünstlers, „der mit malerischen Mitteln ein illusionistisches Loch in eine Wand reisst“. Aber wie in der virtuellen Welt zeige sich in Magaros Universum die gefährliche Kraft der schöpferischen Gestaltung. „Eine Welt, die mit ihren scharf umrissenen Linien und Kanten exakter, kälter und unversöhnlicher wirkt als die unsere.“
Sich inspirieren zu lassen von dieser gefährlichen Gestaltungskraft lohnt sich. Einen ersten Blick auf das neue Buch von Valentin Magaro werfen kann man auf seiner Homepage www.valentinmagaro.ch. Den besten Eindruck aber vermittelt das Künstlerbuch selber. Bestellen kann man es per E-mail an valentin@valentinmagaro.ch . Es kostet 330 Franken und ist in einer limitierten Auflage mit Graysons Text auf Englisch und Deutsch erhältlich.
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Die bisher erschienen Künstlerbücher
● 2009: Text: Dieter Schwarz, Direktor des Kunstmuseums Winterthur, Zürich (vergriffen)
● 2008: Text: Dominique von Burg, Kunstkritikerin, Zürich (vergriffen)
● 2007: Interview mit Ralf Christofori, Kunstkritiker, Stuttgart (noch ein Exemplar erhältlich)
● 2005/06: Text: Peter Killer, Kunstkritiker, Olten (vergriffen)
● 2004: Text: Isabella Jungo, Kunsthistorikerin, Bern (vergriffen)
● 2003: Text: Michael Krethlow, Kunsthistoriker und Galerist, Bern (vergriffen)
● 2000-2002: Text: Lucia Angela Cavegn, Kunsthistorikerin, Winterthur (vergriffen)
● 1995-1999: Text: Norberto Gramaccini, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Bern (vergriffen)

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