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von Brigitta Hochuli, 01.04.2016

Umschichtung im Gang

Umschichtung im Gang
Keine kulturelle Eiszeit mehr am Schweizer Ufer des Konstanzer Trichters. Neben dem Oberthurgau wird die Gegend zum Ballungszentrum für Künste aller Art. | © ho

*Rechtzeitig bevor sich der Oberthurgau zum künstlerischen Angelpunkt des Kantons Thurgau entwickelt, hat sich Kreuzlingen zur Realisierung seines Kulturzentrums im stadteigenen Schiesser-Areal entschieden. Der Wettstreit ist eröffnet.

Brigitta Hochuli

Was im Oberthurgau gedacht und geplant wird, ist den Kreuzlingern schon länger ein Dorn im Auge. Seit Jahren kommen sie nämlich nicht vom Fleck mit dem Umbau der ehemaligen Molkerei im Schiesser-Areal zu einem smarten Kulturzentrum. Jetzt hört man hinter den Kulissen, dass das Projekt für wenige Millionen kurz vor dem Durchbruch sei. Auch soll gemäss unbestätigten Gerüchten vom ursprünglich gewollt überregional ausstrahlenden Turmhof in Steckborn noch etwas Geld auf der Kante sein, das nun grosszügig weitergegeben wird.

Umfrage in Kreuzlingen positiv

Einer Umfrage zufolge freut sich in Kreuzlingen Jung und Alt auf eine coole Kulturbeiz mit Garten, auf einen professionell bestückten Saal fürs Theater, auf eine moderne Infrastrukutur für den berühmten Kunstraum der Thurgauischen Kunstgesellschaft und auf Räume für Design, Performance oder Robotik. Künftig kann die Bildungsstadt Kreuzlingen nicht nur ihre PH-Studentinnen und Maturitätsschüler um die Kulturschaffenden scharen, sondern wird auch ihre älteren Bildungsbürgerinnen und -bürger aus dem Häuschen locken. Kommt hinzu, dass im Sommer die fest installierte Seebühne der Opernstadt Bregenz Konkurrenz machen wird - ausgeleuchtet vom Leuchtturm auf dem deutsch-schweizerischen Niemandsland namens Gleisdreieck.

Boom auch am Obersee

Derweil entwickelt sich am oberen Ende des Sees eine wunderbare Ergänzung zur erstrahlenden Kulturstadt am Konstanzer Trichter. Romanshorn hat nicht nur die schönste Hafenmole am Schweizer Ufer, Romanshorn bekommt auch das Historische Museum und das ausgebaute „Roxy“, das als Begegnungsort die Gegend magnetisiert. In der Nachbarstadt Arbon wollen die zwei Kunsthallen künftig der Art Basel und Miami Paroli bieten. Im Kultur-Presswerk zieht man langfristig am selben Strick, indem die Vereine für den Nachwuchs sorgen. Gar nicht weit entfernt bringt sich der Amriswiler Kulturbeauftragte zum Wohl seiner Stadt mit Videobotschaften ins Spiel. Noch ist er kein Web-Star, aber das kann ja werden.

Sog hin zur Küste

Kulturpolitisch ist eine Umschichtung des Kantons an seine Küstengebiete im Gang. Deren Sog ist unwiderstehlich. In Vorbereitung auf die Expo 2027 wird der Bodensee mit ein paar wellenbrechenden neuen Festivals bespielt. Derweil es rund um die Hauptstadt harzt. In deren Kaserne wird dereinst die Kantonsverwaltung einziehen und nicht, wie vorzeiten erträumt, die Kultur. Für die Kartause Ittingen wird zwar allgemein erwartet, dass der Regierungsrat dem Kunstmuseum doch noch die Lotteriefonds-Millionen spendiert. Doch dort hat man genug von der Idee. Vielmehr will man den schwarzen Kunst-Cube nun getarnt als weisse Traglufthalle ans Historische Museum in Romanshorn andocken. Das einstige Kulturmekka des Kantons dümpelt, während die Seebuben in der Zukunft fischen.

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*P.S.: Es handelt sich bei der oben stehenden kulturpolitischen Lagebeurteilung zum Teil um die Wahrheit, zum Teil um Wunschdenken, insgesamt aber um einen 1.-Aprilscherz.

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