von Daniel Badraun, 26.06.2015
Werkverzeichnis ist online

Die Heimatvereinigung Steckborn hat im Internet ein Werkverzeichnis des 1810 in Steckborn geborenen Landschaftsmalers Emanuel Labhardt aufgeschaltet. Es soll später als Broschüre herausgegeben werden.
Daniel Badraun
Emanuel Labhardt verfügte über ein aussergewöhnliches zeichnerisches Talent. So durfte er in jungen Jahren eine Lehre in den graphischen Ateliers der Familie Bleuler in Feuerthalen, Schaffhausen und Schloss Laufen absolvieren. Nach dem Tod des Lehrmeisters 1837 gründete er in Feuerthalen seine eigene Lithographische Anstalt und betrieb diese bis zum Tod im Jahr 1874. Einer Mode der Zeit folgend, legte sich der Künstler ein vornehmes "dt" am Schluss seines Namens zu, Werke aus der Umgebung von Steckborn signierte er aber weiterhin bescheiden mit Labhart.
Illustrator der Sehnsucht
Labhardt war ein sogenannter Kleinmeister, einer, der kleine Formate als Illustrationen für Bücher schuf. Der begnadete Zeichner brachte die Landschaften und Ortsansichten detailgetreu aufs Papier und später auf die Druckplatten. Während seiner Arbeit schuf Labhardt eine grosse Anzahl Ansichten aus der näheren und weiteren Umgebung.
Emanuel Labhardt, Stein am Rhein, um 1837/40, Ansicht aus Südosten. (Publikation mit Genehmigung der Heimatvereinigung Steckborn)
So reiste der umtriebige Künstler quer durch Europa, zeichnete und aquarelierte für seine Auftraggeber von Como bis Salzburg, von Böhmen bis zum Montblanc Städte, Kirchen, Burgen und Landschaften. Er brachte so den Leuten, die nicht reisen konnten, die weite Welt in die guten Stuben.
Nachdem die Heimatvereinigung 2010 zum 200. Geburtstag des Malers eine Ausstellung organisierte und einen Bildband über den berühmtesten Steckborner Künstlers herausgab, entstand der Wunsch, ein möglichst vollständiges Werkverzeichnis zu erstellen.
Mehr als 600 Werke zusammengetragen
In fünfjähriger Arbeit sammelte Manfred Weigele Abbildungen und Angaben zu Zeichnungen, Aquarellen und graphischen Blättern von Manuel Labhardt. Im umfangreichen Werkverzeichnis sind 566 Arbeiten des Künstlers aufgelistet, ergänzt wird das Verzeichnis mit Werken von Hermann Labhart (1836 – 1879), Helene Labhardt (1887 -1965) und Philipp Labhardt (1873 – 1964). Insgesamt umfasst das Verzeichnis 637 Werke.
Tellskapelle, 1839.
Die Bilder und graphischen Blätter fand Manfred Weigele im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen, das über einen grossen Fundus verfügt, auf Auktionen und bei Privatpersonen. Oft war Detektivarbeit gefragt. So kam er über eine Todesanzeige in Kontakt mit dem Amerikaner Larry Ammann, einem Sohn des Brückenbauers Othmar Ammann, der in New York die George Washington Brücke baute und ein Schwiegersohn von Labhardt war.
Larry Ammann schickte zwei Blätter nach Steckborn, Abbildungen von Leukerbad und Luzern, die Weigele bisher noch nicht kannte. „Interessant an unserem Verzeichnis ist, dass wir bei einigen Motiven den ganzen Arbeitsprozesse von den Bleistiftskizzen bis zur fertigen Druckgrafik dokumentieren können“, sagt Weigele. Gut dokumentiert sind die Alben „Schaffhausen“ und „Alpenkranz“, hier enthält das Verzeichnis Skizzen, Zeichnungen, Gouachen, Aquarelle und fertige Lithographien.
Broschüre geplant
Vorerst ist das Werkverzeichnis in elektronischer Form verfügbar, dies ermöglicht ein laufendes Nachführen, denn es gibt sicher noch mehr Bilder von Emanuel Labhardt, die im Umlauf sind. Das 90 Megabite starke Verzeichnis, das vom Informatikfachmann René Labhart aufgearbeitet und in eine übersichtliche Form gebracht wurde, kann, falls es die Finanzen erlauben, jederzeit als Broschüre gedruckt werden.
Das Schloss Salenstein, um 1845, Ansicht von Osten.
Manfred Weigele und René Labhart arbeiten ehrenamtlich, sie haben mehr als 1800 Stunden am Verzeichnis gearbeitet. Das Budget für das Projekt beläuft sich auf bescheidene 13'000 Franken. René Labhart weiss übrigens nicht, ob er mit dem Künstler verwandt ist. „Die Familiengeschichte ist noch nicht aufgearbeitet, wir wissen nur, dass unser Gründervater um 1530 aus religiösen Gründen Konstanz verliess und sich in Steckborn niederliess.“
Auf der Homepage des Turmhof-Museums ist das Werkverzeichnis von Emanuel Labhardt einsehbar. Ein Besuch auf dieser Seite ist nicht nur für Fachleute interessant, die vielen Abbildungen bieten auch Laien einen spannenden Einblick in das Werk des Steckborner Künstlers.
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Auftakt zum Labhardt-Jubiläumsjahr - thurgaukultur.ch vom 10.03.2010
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Direktlink zum Werkverzeichnis auf der Site des Turmhof-Museums:
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