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von Kathrin Reimann, 13.04.2026

Zwischen Sofas und Selbstoffenbarung

Zwischen Sofas und Selbstoffenbarung
2kmafia bei ihrem Auftritt im Presswerk Arbon. | © Kathrin Reimann

Kerzenlicht statt drängender Festivaldynamik, leise Töne statt Ekstase: Beim Wohnzimmerkonzert im Presswerk Arbon präsentierte sich die Ostschweizer Rapcrew 2kmafia von einer ungewohnt intimen Seite. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Es war wohl ihr intimstes und aussergewöhnlichstes Konzert bisher: Die Rapcrew 2kmafia spielte Anfang April im Rahmen eines Wohnzimmerkonzerts im Presswerk in Arbon. Die siebenköpfige Crew aus St. Gallen und Rorschach trat vor rund 30 Gästen auf – von Kindern bis hin zu Ü-60-Jährigen. Bei Kerzenschein, auf Sofas und Teppichen, entstand eine Atmosphäre, die mit ihren üblichen Auftritten kaum vergleichbar ist.

Denn normalerweise lebt das Kollektiv, das seit 2018 gemeinsam Musik macht, von energiegeladenen Shows mit eindrucksvollen Beats und intensiver Interaktion mit dem Publikum. Seit ihrem Durchbruch mit dem Gewinn des Nachwuchswettbewerbs «bandXost» im Herbst 2024 konnten sie dies mehrfach unter Beweis stellen – etwa im vergangenen Sommer an grossen Festivals wie dem Open Air St. Gallen oder dem Open Air Frauenfeld, wo sie die Menge zum Kochen brachten.

Video: 2kmafia beim BandXost-Contest 2024

«Hosen runterlassen» auf der Wohnzimmerbühne

In Arbon zeigte sich jedoch eine völlig andere Seite der Crew. Der Abend entwickelte sich stellenweise zu einer Reihe von Einzelauftritten. Den Anfang machte noah2k, der den Moment als «Hosen runterlassen» bezeichnete. «Es ist scary, in so einem Setting aufzutreten», sagte er und zog sich nach seinem ersten Song die Kapuze tief ins Gesicht.

Er präsentierte Tracks aus seinem neuen Album, die er mit viel Gefühl und gezieltem Autotune interpretierte – und erntete dafür hörbares Staunen und grossen Applaus. Mit Themen wie Armut, Liebeskummer, unerfüllten Wünschen «und dem ganzen Bullshit», getragen von sanften, melodiösen Beats, gelang es ihm, das Publikum zu berühren.

Neue Songs und leise Intensität

Gemeinsam mit Madflow performte noah2k anschliessend einen Track, der erst vor wenigen Wochen in einer nächtlichen Studiosession entstanden war und nun überraschend schnell seinen Weg auf die Bühne fand. Der Song handelte von Träumen, die einem nicht guttun – und auch Madflow überzeugte, indem er mühelos über die reduzierten Beats von DJ Moneymax floss und dem Publikum mit seinen Rhymes Gänsehaut bescherte.

 

Tiefgang statt Ekstase

An diesem Abend dominierten tiefgehende Themen und «intrinsische» Songs. Die Inhalte kreisten um innere Konflikte, den bewussten Umgang mit materiellen Verlockungen, Madflows Schlafprobleme sowie den Konsum von Substanzen.

Abgelöst wurde Madflow von Gana94 mit seinem Track «Konfettiregen», der das Leben feiert. Der dazugehörige Videoclip – so verriet er – wurde von seinen Eltern gedreht, die an diesem Abend im Publikum sassen und dafür Applaus erhielten. Ein weiterer Song von Gana94 erzählt vom Leben und Alltag in St. Gallen und davon, dass er diese Stadt niemals verlassen will.

Im Anschluss präsentierte T-God mehrere Songs aus seinem Album «Halunke & Ganove». Darin zeigt er sich experimentierfreudig, nutzt Storytelling und verarbeitet Gedanken aus seinem Studium. Thematisch kreisen seine Texte unter anderem um das schlechte Gewissen, sich zu selten bei den Eltern zu melden, sowie um Tattoos und Zigaretten. Gleichzeitig werden auch Freundschaft, Zusammenhalt und das «Rudel» gefeiert.

Mehr als nur ein Name

Gerade dieser Zusammenhalt spielt bei 2kmafia eine zentrale Rolle. Das «Mafia» in ihrem Namen steht nicht für Kriminalität, sondern für Loyalität und Verbundenheit innerhalb der Crew. Das «2k» wiederum verweist auf die Jahrgänge der Mitglieder, die alle um das Jahr 2000 geboren wurden.

Wer sich also nicht vom Namen abschrecken liess, erlebte beim Wohnzimmerkonzert eine aussergewöhnliche und eindringliche Show. 2kmafia bewies an diesem Mittwochabend eindrücklich, dass sie nicht nur laut und mitreissend kann, sondern auch leise und sanft – und dass gerade diese Töne ihren teils schweren und wichtigen Themen noch mehr Gewicht verleihen.

 

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