von Brigitta Hochuli, 13.03.2013
Das Buch danach

Brigitta Hochuli
Gute Kunstausstellungen sind nachhaltig. Man ist interessiert, lässt sich hinreissen, will mehr wissen über die Hintergründe, kauft das Buch dazu und legt es zu Hause auf den Stapel der Ungelesenen.
Willi Oertigs Bildwelt und Peggy und Thomas Henkes „Film der Antworten“ sind im Kunstmuseum Thurgau noch bis Ende März und Mitte April zu sehen; die Ausstellung läuft seit Oktober 2012, der Film seit Januar 2013. Gelegenheit war also genug, sich damit auseinanderzusetzen. Zum Beispiel an einem Frageabend mit Oertig oder an einem Sonntagnachmittag vor dem Screen.
Zu Oertig sagte Museumsdirektor Markus Landert: „Du bisch ein Vilredner.“ Tatsächlich, die Sprüche des Künstlers wollten so gar nicht zu seinen Malereien passen, in denen er als Mensch mit Gefühlen kaum zu spüren ist. Obwohl: „Ich mache kei Kunscht, ich mache mis Läbe.“
Im Film sagt eine ältere Nonne: „Es ist Verstellung, was da abläuft, es ist falsches Theater – eine ganz schwierige Situation.“ Andererseits: „Gott kann ich nichts vormachen“, sagt eine junge.
Sind das Antworten? Ich bin bis heute verwirrt, ich greife zu den Begleit-Publikationen. Da bleibt man erneut an den Bildern hängen. Aber man erfährt auch, woran uns Willi Oertigs Kunst erinnert und liest, warum er radikal und modern sei. Und man staunt über die künstlerischen Fragen, die den „Film der Antworten“ in den Kontext des Museums stellen. „Welche Antworten? Welche Bilder?“: Gut, stellt im Buch Reinhard Hoeps seine bildtheologischen Beobachtungen dar. Gut, zeigt uns Gerhard Stamer seine Sicht auf „Die Realität des Glaubens“. Gut, gibt es das Buch danach!
*****
✗ Willi Oertig
Publikation im Benteli Verlag mit Texten von Markus Landert, Ute Christiane Hoefert, Bruno Hug und Stefanie Hoch. 130 Abbildungen auf 208 Seiten, Format 28 x 23 cm, Hardcover, Preis CHF 58.-, ISBN 978-3-7165-17543. Zu beziehen im Kunstmuseum Thurgau oder über den Buchhandel.
✗ Film der Antworten
Publikation: Thomas und Peggy Henke: Film der Antworten, 224 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Textbeiträge. Hrsg. Stiftung Zollverein Essen, Kunstmuseum Thurgau Kartause Ittingen. Im Museum erhältlich, Verkaufspreis CHF 48.-

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