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von Brigitta Hochuli, 14.08.2013

„Der Meister und Margarita“ - ein Spiel um Liebe, Gut und Böse

„Der Meister und Margarita“ - ein Spiel um Liebe, Gut und Böse
Simon Engeli und Andrea Noce Noseda diskutieren über Bulgakov | © Brigitta Hochuli/pd

Auf Schloss Girsberg oberhalb Kreuzlingen probt die Theaterwerkstatt Gleis 5 aus Frauenfeld das Teufelsstück „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakov. Premiere ist am 20. August.

Brigitta Hochuli

Für viele sei der Roman des Russen (1891-1940) der beste des 20. Jahrhunderts überhaupt, sagt der Tessiner Regisseur Andrea Noce Noseda. Der 38-jährige liest das Werk seit seinem 13. Lebensjahr mindestens einmal jährlich. Jetzt hat er den 500-Seiten-Stoff bühnen- und tourneetauglich geschrieben. Darin hat er Erfahrung, verarbeitete er doch mit “Die drei Musketiere” und “In 80 Tagen um die Welt” schon grosse Prosastoffe tribünenfüllend.

Der Mangel ist Stil

„Der Meister und Margarita“ ist eine vielschichtige Geschichte mit unzähligen Figuren im Moskau der 30er Jahre und im Jerusalem von Pontius Pilatus. Sie mit nur fünf Schauspielern, zwei Musikern und zudem ohne Kulissen auf die Bühne zu bringen, kann nur durch Weglassen gelingen. „Wir haben aus dem Mangel einen Stil gemacht“, sagt Noce Noseda, „und sind inzwischen überzeugt, dass die besten Specialeffect-Spezialisten die Zuschauer selber sind.“ Simon Engeli, einer der Mitbegründer der Theaterwerkstatt, pflichtet ihm bei. „Durch die Beschränkung des sogenannten armen Theaters merkt man, welcher Reichtum stilistisch möglich ist.“ Seit es das Kino gebe, sei es mit dem Realismus im Theater ja vorbei. „Wir müssen mit der Fantasie arbeiten und die Geschichte so gut erzählen, dass jeder den Hintergrund plastisch vor Augen hat.“

Im Stück bringt der Teufel in der Figur eines Professors der schwarzen Magie die Liebesgeschichte zwischen dem Meister (ein Poet) und der verheirateten Margarita zu einem erlösenden Ende. Dies aber nicht ohne zuvor die Stadt Moskau in ein Chaos aus Spuk und Zerstörung gestürzt zu haben. Es ist ein Spiel mit dem Faustschen Motiv von Gut und Böse und eine „lustige und spannende“ Geschichte, „gleichzeitig hoch philosophisch und hoch grotesk“, verspricht der Regisseur.

Ikonen der Freiheit

Die Mitspielenden sind neben Simon Engeli Otto Edelmann, Cornelia Montani, Joe Sebastian Fenner, Ingo Biermann sowie die Musiker Christoph Elsaesser und Daniel Schneider.

Die Theatertruppe während einer Probe. Bild: pd

 

Regisseur Noce Noseda, Engeli, Montani und Fenner haben die Dimitrischule durchlaufen; sie prägen denn auch die Spielweise der Truppe.

Die beiden Musiker spielen nach Vorlagen des sowjetischen Liedermachers Vladimir Visotsky (1938-1980), der wie Bulgakov in Russland noch heute überall präsent ist, wie Andrea Noce Noseda es auf einer Moskau-Tournee selber erlebt hat. „Beide verkörpern das Russischsein in ähnlicher Art. Beide waren Ikonen der Freiheit und trotzdem nicht wirklich frei.“

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