von Brigitta Hochuli, 08.08.2013
Eine schöne Bescherung

Bis zum 31. August finden die Schlossfestspiele Hagenwil statt. Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ unter Regie von Florian Rexer passt gut ins alte Gemäuer.
Brigitta Hochuli
Ein zerbrochener Krug ist an sich schon eine schöne Bescherung. Als corpus delicti auf der schwierig zu bespielenden Eckbühne im Innenhof des Wasserschlosses Hagenwil erst recht. Denn die Geschichte entbehrt nicht der Tragikomik: Dorfrichter Adam will der jungen Eve an die Wäsche. Dabei zerbricht eben ein Krug. Über den Tatbestand soll nun just der Richter richten.
Heinrich von Kleist hat mit dem Stück eine Wette gewonnen. Auf einer Reise in die Schweiz hatte er einen Kupferstich gesehen, den er literarisch umzusetzen wollte. Uraufgeführt wurde das Stück 1808 in Weimar. Regisseur Florian Rexer hat es ins Jahr 1848 unserer Gegend verpflanzt. Zahlreiche hinzugedichtete Hinweise verdeutlichen dies. So kommt Gerichtsrat Walter gerade aus Diessenhofen und so wird die heutige Schlossfamilie Angehrn mehrfach erwähnt. Gewonnen hat das Stück dadurch nur bedingt. Künstlich erzeugte Lokalbezüge sind aber Geschmacksache und ein paar Lacher ihnen immer sicher.
Monströs und unbedarft
„Der zerbrochene Krug“ ist als Lustspiel angelegt. Grossartig ist Kleist das Spiel gelungen, lustvoll agieren alle Beteiligten. Ihnen voran glänzen Hans-Rudolf Spühler als Dorfrichter Adam, Jan Obderbeck als Gerichtsrat und Bigna Körner als Frau Marthe. Adam ist fürchertlich zugerichtet. Wunden am Kopf und am Bein verunstalten den Klumpfüssigen. Woher er sie hat, deckt der intellektuelle Walter in herrlich suffisantem Ton schliesslich auf. Bis dahin verstrickt sich Adam in monströse Lügen. Lustig ist das nicht. Die Figur zeugt vielmehr von männlicher Selbstüberschätzung, preisgegeben am Ende nur noch der Lächerlichkeit. Das zeigt Schauspieler Spühler in Ansätzen, wenn er die unbedarfte Eve (Luzia Bonilla) erpresst oder erfolglos seinen Vorgesetzten mit einem Thurgauer Bauernfrühstück besticht. Er erinnert daran, was sich Amtspersonen auch auf niedrigster Stufe (noch heute) zuweilen herausnehmen. Es sträubt einem die Haare.
Sanft und kreischend
Passend zur sanften Spielweise von Eve zeigt ihr Bräutigam Ruprecht (Michael Kobi) den Zorn des falsch Beschuldigten ohne laute Töne. Da kreischt Eves Mutter Marthe dann schon sehr viel mehr. Auch Magd Grete (Doris Haudenschild) versteht die zänkischen Register zu ziehen. Assistiert wird sie - talentiert - von der hübschen Liese (Lena Wälly). Gerichtsschreiber Licht (Andreas Michael Roth) kann sich ebenfalls sehen lassen, genauso wie Bauer Tümpel und Büttel (Christian Schroff und Sohn Simon) gute, wenn auch kleine Rolle spielen. Zur Entlarvung des Richters mittels Perrückenfund trägt schliesslich Frau Brigitte (Marina Santella) mit einer langen Erzählung viel bei. Das bedeutet Textarbeit! Und diesbezüglich ist den Lustspielern ein besonderes Kränzchen zu winden. Kein einziger grober Hänger, und das bei lauter Blankversen mit durchwegs fünfüssigen Jamben!
***
P.S.: thurgaukultur.ch hat die Generalprobe vom 7. August besucht.
www.schlossfestspiele-hagenwil.ch

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