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von Brigitta Hochuli, 07.06.2013

„Ergötzliches“ zum unergötzlichen Thema Kultur

„Ergötzliches“ zum unergötzlichen Thema Kultur
Thomas Götz (li) befragt Pro Helvetia-Direktor Andrew Holland. | © Brigitta Hochuli

Die vorläufig letzte Vorstellung in der Reihe „Ergötzliches“ mit Thomas Götz hatte im vollbesetzten Theaterhaus Thurgau den Schwerpunkt Kultur. Der Schwerpunkt hatte es schwer im kunterbunten Rahmenprogramm.

Brigitta Hochuli

Die vollbusige blonde SP-Dame verküsste René Munz so innig, dass die Lippenstiftspuren noch lange an seinen Backen prangten. Der abtretende Thurgauer Kulturamtchef wäre fast zum Mittelpunkt der Veranstaltung geworden, hätte da nicht als Interviewgast der smarte neue Pro Helvetia-Direktor Andrew Holland geduldig auf seinen Auftritt gewartet. Der fand die Witze von Thomas Götz so gut, dass er Mühe hatte, eine Botschaft an die Thurgauer Kulturschaffenden zu formulieren. Auch nicht zum Thema Frauen, wie es die „Thurgauer Zeitung“ insinuiert hatte.

„Ergötzliches“ lebt gut mit der Kamerarbeit von Daniel Felix. Sei‘s eine Schaltung in die Garderobe, in den „Thurgauerhof“ oder vor die Tür des Theaters, sei‘s eine Strassenumfrage, sei‘s Fernsehreklame - die Filmchen sind amüsant. Im „Thurgauerhof“ war am gleichen Abend FDP Schweiz-Präsident Philipp Müller zu Gast. Zu sehen waren Kantonsrat Schnyder (Thomas Götz) und der reale neue Grossratspräsident Bruno Lüscher. Die beiden wischten das Parkett; es zog sich etwas in die Länge.

Politisch schult Thomas Götz sein Auge an täglich zwei Schweizer Fernsehsendungen. So schwamm er in Tränen, als er als Konrad Egger von der hiesigen SVP für die Volkswahl von Christoph Blocher zum Bundesrat plädierte - es war zum Heulen komisch! Grosses Gelächter auch beim Werbeblock der Firma Hornbach, die, wenn‘s sein muss, Weinfelden mit Eiffeltürmen und Pyramiden überbaut.

Kulturell scheinen die Informationsquellen von Götz etwas weniger ergiebig zu sein. Jedenfalls konnte er Andrew Holland nicht aus der Reserve locken. Mann wie Kultur blieben unergötzlich, die Plattform nutzte der Direktor für ein Loblied auf die Pro Helvetia. Zusätzlich erfuhren die Zuschauer, dass er seine Mutter in Herisau besucht und den Vater in St. Gallen, dass er im August seinen zweiten Sohn erwartet, dass er zusammen mit René Munz regelmässig im Kesswiler „Schiff“ anzutreffen ist und dass seine Stiftung mit dem Bundesamt für Kultur keinerlei Nöte hat. „Mit vil Schwätze bringemer gueti Lösige häre“, sagte der gebürtige Engländer auf gut Appenzell-Ausserrhodisch.

***

Andrew Holland

Andrew Holland ist seit 1. November 2012 Direktor bei Pro Helvetia. Er ist gebürtiger Engländer und in Herisau im Kanton Appenzell Ausserrhoden aufgewachsen. Er studierte an der Universität St. Gallen und an der University of California in Berkeley Recht und promovierte zum Thema «Staatliche Kunstförderung, ein Vergleich USA-Schweiz».

 

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