von Brigitta Hochuli, 07.12.2012
Facetten 14: steffenschöni: Eintauchen in wattierte Zeit

Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau hat mit einer Buchvernissage die Ausgabe 14 der Reihe „Facetten“ gefeiert: Heidi Schönis und Karl Steffens bildgewordene Gärten Japans.
Brigitta Hochuli
Zur Buchvernissage des Thurgauer Künstlerpaars steffenschöni versammelten sich 60 Kunstfreunde in der Galerie Bleisch in Arbon. Karl Steffen berichtete von der sieben Wochen dauernden Reise durch Japan. Es sei zuweilen sehr mühsam gewesen. Aber die wichtigsten Fotos seien gerade dann entstanden. „Richtig fotografiert man erst, wenn man in einem kleinen Dorf strandet und kleine Kreise zieht.“
Wattierte Zeit, vollständig ausgebremst
Die Partnerin Steffens, Heidi Schöni, erklärte den Beweggrund für die Facetten-Geschichte von den japanischen Gärten. Sie habe schon immer gern hinter die Häuser geschaut und im Boden gegraben. Was sie fasziniere, sei einzutauchen „in eine wattierte Zeit“. Als Jugendliche hat Heidi Schöni ein Buch über Japan gelesen. Schon damals wusste sie, dass das Land ihr liegen würde. Auf den Spuren der Literatur ging sie auch im Herbst 2010. Lesen gab ihr das Gefühl, schon einmal hier gewesen zu sein; und sie suchte die Verlangsamung bis an einen Ort, „an dem ich in einem Gemeindehaus drei Tage lang für mich allein und vollständig ausgebremst war“.
Hatake, der Schrebergarten Japans
Der Band Facetten 14 enthält Texte des Japankorrespondenten und Buchautors Christoph Neidhart und des Kulturjournalisten und Pianisten Martin Preisser sowie 30 von über 3000 Garten-Detailansichten. steffenschöni befassen sich künstlerisch seit Jahren mit Pflanzen und ihrer Kultivierung. Japan ist aber speziell. In den, unseren Schrebergärten ähnlichen, Gemüsegärten - Hatake genannt - wächst ausschliesslich Gemüse. „Wenn Japaner etwas tun, dann tun sie es richtig“, schreibt Christoph Neidhart.
Eine Medaille
Stärken und Schwächen ergänzten sich beim Künstlerduo steffenschöni, schreibt Martin Preisser. Ein Stück weit bleibe es ihr Geheimnis, wie aus zwei Seiten eine Medaille werde. Und ihre Bilder zur Beziehung von Alltag und Kultur - wie im Hatake -, von der Natur und ihrer Veränderung durch Menschenhand, seien „ihre überraschenden Sichtweisen auf eine Archäologie des Jetzt“. Die japanische Archäologie von steffenschöni ist übrigens nicht nur in den „Facetten“ abzulesen; deren Bilder wuchern auch weiter im Projektraum der Galerie.
***
Entdecken Sie mehr über steffenschöni auf www.hallek.org/steffenschoeni
Und noch mehr zur Vernissage ist zu lesen von Dieter Langhart in der "Thurgauer Zeitung" hier.

Weitere Beiträge von Brigitta Hochuli
- Kultur für Familien: Was im Thurgau noch fehlt (06.09.2018)
- Rätsel gelöst: So alt ist der Kunstraum Kreuzlingen (29.06.2018)
- Musikschule Kreuzlingen sucht Verbündete (14.06.2018)
- Kult-X in WM-Stimmung: Das etwas andere Public Viewing (29.05.2018)
- Unterm Sternenhimmel (13.05.2018)
Kommt vor in diesen Ressorts
- Kunst
Kommt vor in diesen Interessen
- Bildende Künste
Ähnliche Beiträge
Big in Japan
Wie schafft man kreativ Räume für Kultur? Die Ostschweizer Künstlerin Heidi Schöni hat in Asien ein spannendes Projekt entdeckt - und es sich vor Ort angeschaut. mehr
Woran soll man noch glauben?
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion. mehr
Die Künstlerin der Prozesse
Sichtbar machen, wofür es keine Worte gibt: Daniela Sprengers Kunst berührt ganz unmittelbar. Beim Frauenfelder Kunst-tag Ende Juni kann man es erleben mehr

