von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 10.07.2019
Gioia Dal Molin geht nach Rom

Wechsel in der Thurgauer Kulturstiftung: Die Beauftragte Gioia Dal Molin wechselt nach vier Jahren in Frauenfeld nun nach Rom. Dort übernimmt sie die künstlerische Leitung des Istituto Svizzero. Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau sucht bereits nach einem Nachfolger beziehungsweise einer Nachfolgerin.
Wer die Möglichkeit hat, von Frauenfeld nach Rom umzuziehen, der wird in der Regel nicht lange darüber nachdenken, ob das ein guter Schritt ist. Sondern es einfach machen. Die Perspektive darauf, mindestens drei Jahre in der italienischen Metropole zu leben und zu arbeiten, dürfte auch bei Gioia Dal Molin mögliche Zweifel über den Sinn eines beruflichen Wechsels, so es sie gegeben haben sollte, hinweg gefegt haben. Und so übernimmt die Beauftragte der Kulturstiftung des Kantons Thurgau zum 1. Januar 2020 die Leitung des Istituto Svizzero di Roma: «Nach vier Thurgauer Jahren ziehe ich Anfang 2020 nach Rom, wo ich als Kuratorin und Verantwortliche für den Bereich Kunst am Istituto Svizzero arbeiten werde. Aus dem Thurgau mit nehmen werde ich viele schöne Begegnungen, anregende Gespräche und tolle Erfahrungen», schreibt sie auf Nachfrage.
In Rom übernimmt sie zunächst für drei Jahre die Leitung des künstlerischen Programms des Istituto Svizzero in ganz Italien. Ziel des Instituts ist es, schweizerische Forschung, Kunst und Kreativität in Italien zu unterstützen. «Die Einrichtung bietet ein breit gefächertes Programm an Ausstellungen, Konferenzen, Konzerten, Begegnungen, Kongressen und Buchpräsentationen in Rom und Mailand. Jedes Jahr beherbergt das Istituto Svizzero zwölf junge ForscherInnen und KünstlerInnen und ermöglicht diesen so, gemeinsam zu leben und zu arbeiten, sich zu vernetzen und Brücken zwischen der Welt der Kunst und der Wissenschaft zu bauen», heisst es auf der Internetseite des Instituts.
Das Institut will Plattform für junge Schweizer Künstler sein
Im Bereich Kunst, den Dal Molin verantworten wird dient das Istituto Svizzero als Plattform für junge Schweizer KünstlerInnen und will ein entschieden zeitgemässes, multidisziplinäres und zukunftsorientiertes Programm bieten. Das Institut organisiert laut Eigenbeschreibung Kooperationen zwischen schweizerischen und italienischen kulturellen Einrichtungen und unterstützt seine in Residenz befindlichen KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen dabei, ihre Arbeiten zu verbreiten sowie ihre Netzwerke auszubauen.
Während Dal Molin ihre neue Aufgabe bereits gefunden hat, sucht nun die Kulturstiftung des Kantons Thurgau ihrerseits eine Nachfolgerin, einen Nachfolger. Laut Stellenausschreibung wird zum 1. Dezember 2019 eine «initiative Person mit Hochschulabschluss in Kunstgeschichte oder einer vergleichbaren Studienrichtung mit Führungserfahrung und grossem Interesse für alle Sparten der Kultur gesucht». Ein möglicher Hinweis darauf, dass man nach Dal Molin, die vor allem in der Bildenden Kunst ihren Schwerpunkt hat, nun jemanden sucht, der stärkeren Zugang auch zu anderen Sparten findet. Die komplette Ausschreibung des Teilzeit-Jobs (60%-Pensum) gibt es hier: Ausschreibung_Kulturstiftung.pdf
Das Schweizer Institut in Rom
Die Geschichte des Instituts: 1947 überschrieb Carolina Maraini-Sommaruga, die Witwe Emilio Marainis (1853-1916), ihren Besitz der Eidgenossenschaft. Die grosszügige Spenderin wünschte ausdrücklich, dass die bereits bestehende Praxis der Residenzen für junge KünstlerInnen und ForscherInnen fortgeführt und erweitert werde. Die Villa Maraini wurde so zum Sitz einer Stiftung, die sich in den Dienst der Kunst und der Wissenschaft stellte sowie den Ausbau der Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien anstrebte. Seit 1948 ist die Schweiz mit der Villa Maraini in das internationale Netzwerk integriert, das aus den zahlreichen Akademien sowie Kunst- und Forschungsinstituten verschiedener Länder besteht, die in Rom ihren Sitz haben.
Das Netzwerk: Das Istituto Svizzero ist Teil des internationalen Netzwerks von Pro Helvetia, zusammen mit den schweizerischen Kulturzentren von Paris und New York sowie den Aussenstellen in Johannesburg, Kairo, New Delhi und Moskau. Es beteiligt sich am Netzwerk von Swissnex, das im Bereich der Innovation, der Bildung und der Kultur aktiv ist, insbesondere in den Swissnex-Abteilungen von Shanghai und San Francisco. (Quelle: https://www.istitutosvizzero.it/de/istituto-svizzero/)

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