von Inka Grabowsky, 16.04.2026
Millionenprojekt für Vermittlung: Seemuseum hofft auf Bewilligung

Ein Steg in den Bodensee, eine erneuerte Ausstellung und mehr Geld: Das Seemuseum Kreuzlingen steht vor richtungsweisenden Entscheiden – doch vieles hängt an Bewilligungen und Finanzierung. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)
«Es könnte ein historisches Jahr für das Seemuseum werden», sagt der Präsident des Stiftungsrats des Seemuseums, Markus Thalmann. «Zum einen stimmen die Kreuzlinger im September über das städtische Museumskonzept ab, das die Zuschüsse für die drei Museen der Stadt nachhaltig erhöhen würde. Zum anderen hoffen wir auf die Erteilung der Konzession für den Bau des Stegs. Und dann wollen wir auch noch die Infrastruktur des Hauses und die Dauerausstellung erneuern.»
Museumsleiter Christian Hunziker präzisiert: «Es sind unterschiedliche Projekte, die aber doch zusammenhängen.» Der 40 Meter lange Steg solle nach aussen tragen, was das erneuerte Innere des Museums zu bieten habe.
Finanzielle Voraussetzungen
Ohne die Zuschüsse aus dem Verkauf der Anteilsscheine an der Thurgauer Kantonalbank kann der Steg nicht erstellt werden. Ohne die Erteilung der Konzession durch den Kanton braucht man aber gar nicht erst den Antrag auf die Fördervereinbarung beim Verein Pro Thurgau zu stellen, der die Gelder verwaltet. Er gibt Zuschüsse. Aus den TKB-Geldern werden voraussichtlich 630'000 Franken fliessen.
Bedingung für die Auszahlung ist, dass die Antragsteller zusätzlich Eigen- und Drittmittel aufbringen. Konkret geht es um rund 32’000 Franken an Eigenleistung und 462'000 Franken, die von Sponsoren eingeworben werden müssen, um auf die Baukosten von geschätzt 1,1 Millionen Franken zu kommen.
«Wir können natürlich erst dann mit Stiftungen verhandeln, wenn sicher ist, dass wir den Steg auch bauen dürfen», erklärt Markus Thalmann.
Rücksicht genommen
Der Stiftungsratspräsident ist vorsichtig optimistisch, dass das Konzessionsverfahren ohne grössere Einsprachen ablaufen wird. «Wir haben bei der Planung viele Gruppen einbezogen.»
Das See-Burgtheater hatte gebeten, den Standort ein wenig nach Osten zu verschieben, um mit der Bühne nicht in Konflikt zu kommen. Den Bedenken der Vogelschützer wird Rechnung getragen, indem auf dem Steg in Richtung des Schilfgürtels im benachbarten Naturschutzgebiet eine Sichtschutzwand angebracht wird.
«Vögel könnten sich durch die Silhouetten der Stegnutzer bedroht fühlen. Also bringen wir am Geländer einen Zaun an, der menschliche Durchblicke erlaubt, aber die Betrachter verbirgt.»
Technisch machbar
Philip Lüthi, der als Projektleiter von Fröhlich Wasserbau die Vorabklärungen gemacht hat, ergänzt: «Bei jedem Eingriff in ein Gewässer muss es Ausgleichsmassnahmen geben. Im Gegenzug für den Bau werten wir hier den Schilfgürtel auf.» Der Steg soll wie eine Barriere für das Schilf wirken. «Stand-up-Paddler müssen ihn umschiffen. Damit dürften Wasservögel zukünftig ungestörter sein als derzeit.»
Ausserdem wird eine neue Kiesbank aufgeschüttet. «Wir nutzen dafür Material, das wir für die Baupiste brauchen», so Lüthi. Der Steg wird auf zwanzig Pfählen mit je 14 bis 18 Metern Länge befestigt. Sie werden von einem Bagger von der Piste aus in den Seegrund hineingerammt. Umweltverträglich ist das deshalb, weil das Ufer vor dem Seemuseum in den sechziger Jahren ohnehin künstlich aufgeschüttet wurde.
«Wir wissen, dass damals unbedenkliches Material eingesetzt wurde. Mit überraschend zu Tage tretenden Altlasten rechnen wir nicht.»
Was er kann – und was er nicht kann
Der Steg ist als reine Vermittlungsplattform gedacht. Er wird insgesamt 40 Meter lang sein. Im Winter bei Niedrigwasser ist der See dort einen halben Meter tief, bei Hochwasser können es zwei bis drei Meter sein.
«Wir werden eines unserer historischen Boote dort zeigen, die jetzt oben im Museum auf dem Trockenen liegen», sagt Christian Hunziker. «Als Anlegestelle für Freizeitboote ist der Steg nicht geeignet – auch nicht als Einstieg für Badende.» Gut geeignet ist er hingegen für Beobachtungen der Natur. Vorgesehen ist zum Beispiel ein «umgekehrtes Periskop», ein Sehrohr in die Unterwasserwelt.
Auch ein Steg ins Museum
«Ausserdem wollen wir darauf aufmerksam machen, dass der Bodensee Trinkwasser für rund sechs Millionen Menschen bereitstellt. Wir wollen eine fussbetriebene Pumpe installieren, mit der man Wasser auf einer Landkarte bis in den Raum Stuttgart befördern kann.»
Wasserstand und -temperatur werden ablesbar sein. Historische Uferansichten sollen dem aktuellen Ausblick gegenübergestellt werden. «Im Ganzen erhoffen wir uns, dass der kostenlos zugängliche Steg Appetit auf einen Besuch im Museum macht», sagt Hunziker. Falls alles glatt läuft, könnte 2028 die runderneuerte Dauerausstellung eröffnet werden und 2029 der Vermittlungssteg.

Von Inka Grabowsky
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