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von Sascha Erni, 05.06.2016

Inklusion durch Tanz

Inklusion durch Tanz
Das Tanztheaterstück der Stiftung Friedheim Weinfelden zeigt eine einmalige, gelebte Inklusion. | © Sascha Erni (alle Bilder)

Am 4. Juni 2016 fand in der Stiftung Friedheim die Aufführung des Tanztheaterstücks „In und aus der Reihe tanzen“ statt. Über zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer spielten vor ausverkauften Rängen.

Sascha Erni

Es war ein wechselhafter Samstagabend in Weinfelden, an dem die Stiftung Friedheim zu einem besonderen Anlass einlud: Unter der Leitung der Tanzpädagogin Carmen Puccio und der Tanztherapeutin Bettina Baldo, beide vom Tanztheaterhaus Divertimento, zeigten die Teilnehmenden des Tanzkurses des Bildungsklubs Thurgau ihr neustes Werk. Die Laiendarsteller - mit oder ohne einer geistigen, körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung - hatten das Stück „In und aus der Reihe tanzen“ seit Oktober 2015 selbst konzipiert und einstudiert. So abwechslungsreich wie das Wetter zeigte sich dann auch die Aufführung.

Poetisch und verspielt, aber auch erwachsen

Wie sieht ein Tanztheaterstück aus, das von Laiendarstellern selbst erarbeitet wird? Bunt und poetisch, aber durchaus auch in der Realität verankert. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Es steht ein Fest an, die Tänzerinnen und Tänzer bereiten es vor. Die Teilnehmenden zeigten, welche Berufe und Aufgaben sie dabei gerne erfüllen würden. Da gab es den Dirigenten, der Musikproben leitete. Oder die Floristin, die den Blumenschmuck stellte. Aber auch Hausmeisterinnen und Hausmeister waren nötig, denn nach den „Proben“ für das fiktive Fest musste ja aufgeräumt werden. Und weil solche Proben anstrengend sind, durfte auch der Ausflug in die Vogelwarte nicht fehlen - selbstverständlich angeführt von einer Reiseleitung. Ganz wie im „echten Leben“, selbst wenn die wichtigsten Rollen dann doch Drachenei und Wahrsagerin spielten und so die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit verwischte.



Diese Collage aus fünf Szenen hatte einen zirkusähnlichen Charme, wirkte aber bei aller Verspieltheit nie wie eine Schulaufführung. Zusammen mit den Aadorfer Gasttänzern gaben die Bewohner des Friedheims ihr Werk engagiert zum Besten, mit wenigen Ausnahmen immer die ganze Gruppe gemeinsam - ob mit Rollstuhl oder nicht, ob mit psychischer Beeinträchtigung oder ohne. Ein Gewusel auf und hinter der Bühne, alles im Fluss. Nach anfänglicher Nervosität stellte sich eine bemerkenswerte Spiel- und Bewegungslaune ein; mehr als ein Mal liessen sich die über 90 Zuschauerinnen und Zuschauer mitreissen und spendeten am Ende nur zu gerne den wohlverdienten, minutenlangen Applaus.

 



Drei Fragen an...

...Carmen Puccio (im Bild) und Bettina Baldo vom Tanztheaterhaus Divertimento

 

Frau Puccio, Frau Baldo, wie lange tanzen Sie schon mit den Bewohnern der Stiftung Friedheim?
2014 besuchten die Bewohner einer der Friedheimer Wohngruppen unsere Tanztheaterproduktion in Aadorf. So lernten sich Tänzer und Bewohner erstmals näher kennen.


Wie kam es dazu, dass Sie diesen Tanzkurs dann tatsächlich im Friedheim angeboten haben?
Das gegenwärtige Tanztheater, also in Zusammenarbeit mit dem Friedheim, besteht seit 2015. Bettina Baldo stellte den Kontakt zu Dave Siddiqui, dem Leiter des Erwachsenenbereiches, her. Er war von der Idee begeistert. Kurz darauf wurden Nägel mit Köpfen gemacht, ab Oktober 2015 fand sich das Tanztheater alle zwei Wochen zusammen.


Was waren Ihre Highlights der vergangenen Probetage?
Unsere Highlights waren und sind immer jene Momente, an denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre eigenen Ideen einbringen und ausführen. Das Tanztheaterstück wurde so bereits während der Proben zu einem Erlebnis und zeigt eine einmalige, gelebte Inklusion mit grossem Engagement aller Mitwirkenden - vor wie auch hinter der Bühne. (Zora Debrunner)

www.stiftungfriedheim.ch

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