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von Brigitta Hochuli, 15.09.2013

Stefan Keller

Stefan Keller
Abbildung von Suters Flugversuch im Kulturmagazin „Saiten“. |

Brigitta Hochuli

St. Gallen hat (zurzeit) seinen Niklaus Meienberg. Der Thurgau hat Stefan Keller. Ohne Keller kein Meienberg – wenigstens nicht in der Form, wie er 20 Jahre nach seinem Tod wieder zu Wort kommt. „Warum Meieinberg? Pourquoi Meienberg?“ heisst eine Ausstellung unter Kellers Federführung, die ab 21. September auch in den Thurgau ausstrahlt.

Stefan Keller ist ein Thurgauer, hat ein Buch über das rote Arbon verfasst, war Stiftungsratsmitglied der Kulturstiftung des Kantons und ist erfolgreicher Programmleiter des Bodman-Literaturhauses in Gottlieben. Das ist schon viel, und ich bin als Thurgauerin fast ein wenig stolz auf diesen kritischen Geist. Gebührend wahrgenommen wird er im Heimatkanton aber weniger. Dazu braucht es St. Gallen und sein Kulturmagazin „Saiten“. Im aktuellen Heft ist Stefan Keller in einem grossen Interview und einem gelungenen Text über Johann Heinrich Suter präsent, der 1901 ein Luftschiff gebaut und schliesslich in die Steinacher Bäume gesetzt hat.

Wir tun uns schwer mit den Propheten im eigenen Land. Dabei könnten wir ein paar Kult(ur)figuren durchaus brauchen. Dezentral, wie wir uns ausrichten, vernebeln wir uns aber die Sicht. So geschehen zum Beispiel beim Abgang von Kulturamtchef René Munz: der war von einer lobenden Umfrage dermassen überrascht, dass er sie sofort vom Netz nehmen wollte. Kultfigur Keller? Kultfigur Munz? Nicht doch, sie würden sich vehement dagegen wehren. Aber schätzen und hätscheln sollten wir die Thurgauer Kulturbauer halt schon etwas mehr. Sonst wandern sie ab und arbeiten für St. Gallen und Zürich.

***
Filme zu Meienberg ab 21. September und Diskussion am 25. September mit Friedrich Kappeler und Christfof Stillhard im Cinema Luna Frauenfeld.

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