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13.03.2014

Theater Jetzt spielt in Poschiavo

Theater Jetzt spielt in Poschiavo

Ab 21. Juni wird im Innenhof des Hotels Albrici das Freilichttheater „Barone Utopia“ aufgeführt. Gezeigt wird das turbulente Leben des Bündner Adligen Tommaso Francesco Maria De Bassus. Der hatte am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert Grosses vor und wollte die Gesellschaft gar ins Goldene Zeitalter führen. Bis er Kontakte zu dem Geheimbund der Illuminaten knüpfte und Napoleon Bonaparte die Cisalpine Republik ausrief...

Das Stück basiert auf dem historischen Roman “Baron de Bassus und die Illuminaten” des Puschlaver Autors Massimo Lardi, der mehrere Bücher zur Bündner Historie verfasst hat. Oliver Kühn vom Ostschweizer Theater Jetzt hat daraus eine Stückfassung erarbeitet, die in Zusammenarbeit mit der Filodrammatica Poschiavina und einem ad hoc-Ensemble aus dem Unter- und Bündnerland sowie Norditalien zur Aufführung kommt.


Eines will die Inszenierung nicht sein – reines Historienspiel, denn dazu gibt es zu viele moderne Bezüge. Etwa, dass der Baron zwar unzählige Möglichkeiten bekommt, sein Leben zu leben – und dann doch damit hadert, sich für eine zu entscheiden. Das passt gut zum Beginn des 21. Jahrhunderts, wo die Entfaltungsmöglichkeiten schier endlos sind und Karrieremachen über Sein oder Nichtsein entscheidet. Alles scheint auch für den „Barone Utopia“ möglich - schwierig ist denn die Auswahl.

Goethe und die Illuminaten

Gleich zu Beginn von "Barone Utopia" wird klar - die alte Ordnung in Europa kommt reichlich durcheinander. Nicht nur politisch. Auch kulturell. Johann Wolfgang von Goethes "Leiden des jungen Werther" sind gerade erschienen und die vorwiegend junge deutsche Leserschaft ist ganz angetan vom selbstbestimmten Exitus. Klar, dass die Kirche Goethes Ersterfolg auf den Index setzt. Und klar, dass dies die Geschichte damit erst recht interessant macht.

So auch für den jungen Puschlaver Juristen und Adligen Tommaso Francesco Maria De Bassus. Der stammt aus einer weit verzweigten Familie und hat Beziehungen bis Bayern, wo er studiert hat. Er pendelt zwischen dem dunkelschwarzen Puschlav, wo eine untreue Frau schon mal verbrannt wird, und dem aufklärerischen Ingoldstadt, wo der Geheimbund der Illuminaten gerade seine Neuorganisation erlebt. Die Illuminaten sind ganz im aufklärerischen Sinne des Barons. Und er ist für sie ein ideales Mitglied, verfügt er doch über Geld, Beziehungen nach Italien – und eine eigene Druckerei in Poschiavo. Beste Voraussetzungen, um das Gedanken- gut des Geheimbundes südlich der Alpen zu verbreiten. Die erste italienische Übersetzung des Werthers stammt aus dem Palazzo Massella, wo des Barons Druckermaschine steht.

Es scheint noch eine Frage der Zeit, bis das Goldene Zeitalter anbricht. Doch dann geht alles ganz schnell: Die Illuminaten werden verboten und Napoleon Bonaparte kommt an die europäische Macht. Er ruft die Cisalpine Republik aus und lässt das Puschlav bluten. Der Baron sieht dem steten Niedergang seiner Idee entgegen. (pd)

Der Originalschauplatz

Das Stück „Barone Utopia“ spielt im Innenhof des Hotels Albrici, dem ehemaligen Palazzo Massella, wo auch heute noch das Familienwappen an der Hauptfassade zu sehen ist. Der Palazzo gehörte der Familie von Cäcilia Massella, der Frau des Barons, und ging als Erbe schliesslich ganz in dessen Besitz über. Heute heisst das Haus Hotel Albrici und gilt als eine bekannte Adresse der „Swiss Historic Hotels“. Küchenchef und Mitbesitzer Claudio Zanolari wird den Theaterbesuchern vor der Vorstellung Speisen nach Rezepten aus dem 18. Jh. auftischen.

Aus Anlass des Theaterprojekts zeigt das Museo Poschiavino im Palazzo De Basssus-Mengotti - dem ehemalgen Wohnsitz des Barons - ab dem 15. Juni die Ausstellung “Dai Bassi ai De Bassus”, die sich wie das Stück selbst um die Person des Tommaso Francesco Maria De Bassus dreht. Gezeigt werden u.a. 27 Gemälde aus der Ahnengalerie der Familie De Bassus, die die Baronin Margarete De Bassus, die letzte Vertreterin der Dynastie, 2009 dem Museo Poschiavino vermacht hat. Neben den üblichen Öffnungszeiten wird das Museum an den Spieldaten seine Türen bis zum Beginn der Vorstellung offen halten, www.museoposchiavino.ch.

 



Idee, Regie, Gesamtleitung: Oliver Kühn, Theater Jetzt.

Spieldaten 2014
Juni: Sa 21./So 22./Fr 27./Sa 28./So 29. August: Fr 15./Sa 16./So 17./Do 21./Fr 22./ So 24./ Fr 29./Sa 30./So 31. Beginn: 20 Uhr / sonntags 18 Uhr

Reservationen (Tickets, Übernachtungen): Tel. 081 844 01 44, www.hotelalbrici.ch


www.theaterjetzt.ch

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