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Die grosse Geheimniskrämerei

Die grosse Geheimniskrämerei
Szene aus dem Stück: Vorne die beiden Schauspieler Sonia Diaz und Samuel Mosima, dahinter das Orchester (von links) mit Annika Doller, Daniel R. Schneider und Francis Peter | © Theater Bilitz

Eine Beiz, irgendwo abgelegen im Schweizer Hinterland. Irgendwas geht hier vor. Aber was? Das Weinfelder Theater Bilitz begibt sich mit der neuen Produktion "Das Geheimnis von Tuggisholz" auf Spurensuche. Premiere ist am Samstag, 8.Oktober, im Theaterhaus Thurgau 

Von Michael Lünstroth

Ohne Daniel R. Schneider würde es dieses Stück nicht geben. Der musikalische Leiter des Weinfelder Theater Bilitz lebte vor Jahren mal in einer sehr kleinen Gemeinde, Schneider leitete einen Männerchor und dieser Ort irgendwo im Nirgendwo war für ihn gleichermaßen skurril wie mysteriös. "Dieses gleichzeitig heimelige und bedrückende Milieu hat mich lange beschäftigt. Ich wusste damals schon, dass ich dazu mal etwas machen möchte", sagt Schneider im Gespräch mit thurgaukultur.ch am Rande der Probearbeiten im Frauenfelder Theaterwerkstatt Gleis 5. Überall lauerten Geheimnisse, jeder schien etwas von anderem zu wissen, was den wiederum in Misskredit brachte. Nur nach außen, gegenüber Fremden, stand man Seit an Seit. 

Aus dieser Grundstimmung hat Schneider gemeinsam mit dem Autoren Paul Steinmann und Regisseur Giuseppe Spina ein kleines Kammerspiel, oder wie es die Macher nennen, eine Beizen-Oper geschaffen, die am Samstag, 8. Oktober, 20.15, seine Premiere am Theaterhaus Thurgau feiert. Was das meint mit der Beizen-Oper? "Das Stück folgt einerseits formal dem Aufbau einer Oper mit Ouvertüre und allem was dazu gehört, andererseits wollten wir es so intim wie möglich, die Zuschauer sollen jede Regung der Schauspieler sehen können, gerade so als säße man in einer Beiz und beobachte das, was um einen herum passiert", erklärt Giuseppe Spina den Ansatz.

Die Geschichte, die in "Das Geheimnis von Tuggisholz" erzählt wird, ist schnell auf den Punkt gebracht: Seit einigen Tagen hat das Gasthaus Sternen in Tuggisholz eine neue Wirtin. Sie heisst Marlene (gespielt und gesungen von Sonia Diaz) und verdreht schon in der ersten Woche dem Einheimischen Steff (Samuel Mosima) den Kopf. Sie treffen sich nach einer Kirchenchor-Probe in der Beiz. Schnell wird klar, dass irgendwas nicht stimmt. Mit dem Ort, den Personen, den Geschichten. Hier beginnt das Stück. An einem Mittwochabend in Echtzeit kommen nach und nach mehr merkwürdige Geschichten ans Tageslicht. "Brennende Wälder, alleinstehende Mütter, singende Väter und allerlei Beziehungsgeschichten verweben sich zu einem musikalischen Theaterabend voller Spannung, Witz und Hintersinn", verspricht Regisseur Giuseppe Spina. 

Zwischentöne statt reisserischer Story

Geschrieben hat das Stück der Theater-Autor und Regisseur Paul Steinmann. Der ausgebildete Theologe schreibt und inszeniert für Amateurbühnen, Kinder- und Jugendtheater, für Stadttheater, Kabarett oder freie Theatergruppen. Daniel Schneider kannte ihn von früheren gemeinsamen Arbeiten. "Paul hat das Talent, Dinge so klar zu benennen, wie ich es nie könnte. Deshalb arbeite ich gerne mit ihm zusammen", lobt der musikalische Leiter den Kollegen. Für Steinmann ging es vor allem darum, das Geheimnisvolle dieses Ortes zu bewahren. "Wir wollten keine reisserische Geschichte mit irgendeinem Missbrauchsskandal, sondern es sollte so bleiben, dass sich jeder Zuschauer vorstellen könnte: Ach, das könnte auch in meinem Ort sein", erklärt der Autor sein Verständnis von der Geschichte. Aufgeschrieben hat er das Ganze in Mundart. Warum? "Weil es möglichst authentisch sein sollte. Aber man muss nicht Dialekt-Experte sein, um die Handlung nachvollziehen zu können", verspricht der Autor.

 

 

Nicht alles soll in "Das Geheimnis von Tuggisholz" aufgedeckt werden. Es soll immer so viel Raum bleiben, dass die Zuschauer sich manches auch selbst zusammenreimen müssen - mit der Gefahr, dass es so sein könnte. Oder eben auch nicht. Klar ist jedenfalls, der Zuschauer soll sich hier nicht nur berieseln lassen, er ist selbst gefordert. Bei den Proben im Gleis 5 bekommt man einen Eindruck davon, was die Macher erreichen wollen. Das kleine intime Kammerspiel lässt auch dem Zuschauer keinen Ausweg, er sieht sich mit Fragen konfrontiert, die er nicht wegzappen kann, wie an einem gewöhnlichen Abend vor dem Fernseher. Am Ende steht die Frage: Kann und soll man sich rächen für etwas, das ein halbes Menschenleben zurückliegt?

 

 

Die Aufführung wäre keine Oper, wenn sich zu dem Kammerspiel nicht die Musik gesellen würde. Live gespielt von einem kleinen Orchester, das neben dem Multiinstrumentalisten Daniel R. Schneider, aus Annika Dobler (Cello) und Francis Petter (Klarinette) besteht. "In meinen bisherigen Arbeiten war die Musik immer vollkommen unabhängig von dem Bühnengeschehen. Dieses Mal versucht die Musik schon, Brücken zu schlagen. Dinge zu benennen, die mit Sprache vielleicht nicht benannt werden können", sagt Schneider, der alle Arrangements auch selbst komponiert hat.

Für das Theater Bilitz ist "Das Geheimnis von Tuggisholz" die erste Erwachsenen-Theaterproduktion seit sechs Jahren. 

 

Premiere von "Das Geheimnis von Tuggisholz" ist am Samstag, 8.Oktober, 20.15 Uhr, im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden. Eine zweite Aufführung gibt es am Sonntag, 9. Oktober. Dann allerdings bereits um 17.15 Uhr. Karten (38 Franken) für beide Vorstellungen gibt es im Internet unter www.theaterhausthurgau.ch 

 

 

 

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