von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 12.10.2021
Wie digital kann Theater sein?

Im Corona-Lockdown haben viele Theater fieberhaft nach neuen digitalen Formaten gesucht. Das neue Festival „Tools“ zeigt jetzt wegweisende Arbeiten und digitale Experimente. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)
Wie kaum eine andere Kunst braucht das Theater ein Gegenüber, ein Publikum, das tatsächlich physisch vor Ort ist. Nur so entsteht diese besondere Magie namens Theaterabend. Wenig ist schliesslich langweiliger als abgefilmte Theaterinszenierungen. Trotzdem müssen sich natürlich auch die Bühnen dieser Welt die Frage stellen, wie digital sie eigentlich werden wollen, sollen, dürfen. Während des Corona-Lockdowns hat beinahe jedes Haus, jede Theatergruppe für sich experimentiert. Dabei könnte man doch auch voneinander lernen.
Genau da setzt das neue Format „Tools“ an: Das am Donnerstag, 14. Oktober, startende Programm (läuft analog in Stuttgart und digital weltweit) will Festival und digitales Theaterlabor zugleich sein: „Das Festival ermöglicht einen Einblick in die Bandbreite der neuesten digitalen und hybriden Formate - von der grünen Wiese der Romantik, die im Green Screen in imaginäre Welten führt bis zur KI, die live inszeniert und Zuschauer:innen, die per Avatar Teil der Party werden“, heisst es in einer Medienmitteilung zum Festival.
Verändert die neue Technik die Dramaturgie?
Im Programm gibt es neben bereits bestehenden Arbeiten auch interaktive Experimente, die im Theaterlabor entstanden sind und während des Festivals zur Premiere gelangen. Zusätzlich zu den Inszenierungen gibt es aber auch Diskussionen. Zum Beispiel am Samstag, 16. Oktober, 18 Uhr. Dann diskutieren Künstler:innen über „Neue Räume - Perspektiven auf ein hybrides Theater“.
Die eingeladenen Künstler:innen stellen ihre Arbeitsweisen und damit neue Formate und Techniken vor. Sie wollen dabei auch der Frage nachgehen, wie neue technische Möglichkeiten Dramaturgien, Produktionsweisen und Sehgewohnheiten im Theater verändern.
Tools ist eine gemeinsame Veranstaltung des Instituts für künstlerische Forschung Berlin (!KF), der digitalen Streaming-Plattform Spectyou und dem audiovisuellen Online-Dienst Die Digitale Bühne sowie dem Theater Rampe Stuttgart.
Tickets und Programm
Der Digitale Festivalpass (€ 50,- / € 25,- ermässigt) ermöglicht den Zugang zu allen Online-Veranstaltungen auf SPECTYOU. Einzeltickets für Online-Veranstaltungen auf SPECTYOU sind zum Preis ab 3 Euro erhältlich (Pay what you want: € 3 – 50,-). Erhältlich über die Festival-Website.
Tickets für die analoge Vorstellung von CHEZ NU von CHEZ COMPANY am 16.10. um 21 Uhr im Theater Rampe (Stuttgart) sind zum Preis von € 16,- (regulär), € 9,- (ermässigt) oder € 30,- (Unterstützer:innenpreis) erhältlich. Freier Eintritt ohne Anmeldung (first come first serve) zum Programm am 16.10. im Theater Rampe.
Eine Programmübersicht mit allen Zeiten gibt es auf der Website des Festivals oder gebündelt als PDF auch hier.

Weitere Beiträge von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter
- «Man muss wollen – und dranbleiben» (21.07.2026)
- Kaffee, Kunst und nette Leute (16.07.2026)
- Gemeinsam statt einsam (07.07.2026)
- Leistungsschau des Thurgauer Kulturschaffens (06.07.2026)
- Gipfeltreffen der Subkulturen (02.07.2026)
Kommt vor in diesen Ressorts
- Bühne
Kommt vor in diesen Interessen
- Vorschau
- Schauspiel
- Digital
Ähnliche Beiträge
Theater zum Anfassen
Vor 17 Jahren begann alles mit einer Biertischidee. Heute verwandelt das NordArt Theaterfestival Stein am Rhein in eine Bühne – und zeigt, wie Kleinkunst eine ganze Region zusammenbringen kann. Am 5. August geht es los. mehr
Wie Kleider Geschichten erzählen
Joachim Steiner ist Kostümbildner und Experte in nonverbaler Kommunikation. Für die See-Burgtheater-Produktion «Anne Bonny» hat der Konstanzer 60 Kostüme entworfen und zum Teil selbst genäht. mehr
40 Jahre momoll – Theater für Generationen
1985 als freie Theatergruppe gegründet, hat sich das momoll theater zu einem etablierten Kompetenzzentrum für Theaterschaffende in der Ostschweiz entwickelt. Ein Videoporträt von arttv.ch mehr

