01.07.2026
Zehn Ideen für die Kultur von morgen

Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau hat zehn Recherchestipendien vergeben. Aus 72 Bewerbungen wählte die Jury zehn Kulturschaffende mit Thurgau-Bezug aus, die je 10'000 Franken erhalten. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)
Das Förderformat richtet sich bewusst an die ergebnisoffene Frühphase künstlerischer Arbeit. «Ein fertiges Werk ist nicht das Ziel, sondern der Anfang, der bekanntlich immer am schwersten fällt», heisst es in der Medienmitteilung der Stiftung. Die finanzielle Unterstützung soll laut Kulturstiftung nicht nur materielle Hilfe leisten, sondern auch Wertschätzung und Vertrauen in die vorgeschlagenen Ideen signalisieren.
Die Jury, bestehend aus Teilen des Stiftungsrats und der Geschäftsstelle, wählte aus insgesamt 72 Eingaben zehn Positionen aus. Die geförderten Projekte decken ein breites Spektrum ab: Literatur, Tanz, Musik und Bildende Kunst sind vertreten.
Die zehn geförderten Projekte im Überblick
Im Bereich Literatur arbeitet Muriel Allan an einem Romanmanuskript, in dem eine Ich-Erzählerin Anfang zwanzig ihr Leben, ihre Beziehungen und eine vergangene Liebe reflektiert. Die Recherche umfasst Interviews, ein Bibliothekspraktikum und Alltagsbeobachtungen. Rina Jost wiederum beschäftigt sich mit der lückenhaft überlieferten Geschichte von «Rank-Marie», einer Einwanderin aus Norditalien, die in Buriet eine Fernfahrerbeiz führte – und erkundet, wie sich diese Familiengeschichte im Comicformat zwischen historischen Spuren und Fiktion erzählen lässt.
Im Tanz sind drei Personen vertreten: Delia Jolanda De Solda erforscht das Schicksal sogenannter Saisonnier-Kinder in der Thurgauer Migrationsgeschichte und entwickelt daraus eine Tanzsprache für ein Solo. Giulia Esposito untersucht an der Schnittstelle von zeitgenössischem Tanz, Breaking und zirzensischer Praxis, wie ihr Körper zwischen Fremdsteuerung und Eigenwillen agiert. Ariana Qizmolli setzt auf Kontraste als künstlerische Strategie und erforscht gemeinsam mit einer Kollaborateurin die Verbindung von Pole Dance, Akrobatik und Striptease – Ergebnisse sollen in Workshops und Showings zugänglich gemacht werden.
Musikalische Erforschung von Umweltbelastung
In der Musik forscht Flurina Mia Häberli unter dem Titel «Submerged Frequencies» zu Unterwasserlärmverschmutzungen: Mit Field Recordings und einem selbst entwickelten Aquarium-Instrument macht sie eine oft übersehene Umweltbelastung hörbar. Oliver Roth übersetzt elektromagnetische Felder technischer Infrastrukturen im Kanton Thurgau mittels Sensorik in Klangmaterial – als Grundlage für ein kompositorisches System, das auf improvisierende Musikerinnen und Musiker reagiert.
Drei Projekte entstammen der Bildenden Kunst: Jana Kohler untersucht alternative Vorführungsräume für Video- und Experimentalfilm jenseits etablierter Kino- und Ausstellungsformate. Thi My Lien Nguyen erkundet nachhaltige analoge Fotografie und verbindet praktische Atelierarbeit mit theoretischer Lektüre zu Gaia-Theorie, politischer Ökologie und dekolonialen Ansätzen. Ursula Waldburger schliesslich entwickelt seit über 25 Jahren Stickerei als experimentelles Medium – mit dem Stipendium erweitert sie ihre Praxis durch eine neu entwickelte Gross-Stickmaschine, um gestische Spuren digital in grossformatige Arbeiten zu übertragen.
Viele verdiente Bewerbungen, begrenzte Auswahl
Die Kulturstiftung hält in ihrer Medienmitteilung fest, dass viele weitere Bewerbungen eine Unterstützung verdient hätten, die Jury sich jedoch auf zehn Nominationen beschränken musste. Die angestossenen Ideen könnten zu einem späteren Zeitpunkt als Werk- oder Projektbeitrag durch die Kulturstiftung weiterverfolgt werden.
Kulturplatz-Einträge
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